Das Huawei Mate 30 Pro: Mythos und Meisterwerk

Das Mate 30 Pro ist das derzeitige Smartphone-Flaggschiff von Huawei. Und steht wie kein anderes Handy seit dem Erscheinen im Rampenlicht.
Bisher sorgte Huawei am Smartphone-Markt pro Jahr zwei Mal für Aufsehen. Im Frühjahr erscheint traditionell die P-Serie, die neue Maßstäbe bei der Smartphone-Fotografie setzt. Im Herbst kommt dann immer die Mate-Serie, die die technische Leistungsfähigkeit der Handy-Welt zeigt. Immer? Nicht 2019. Da wurde das Mate 30 Pro zwar vorgestellt, kam aber in Österreich nicht auf den Markt.

Hintergrund war der US-Bann gegen das Unternehmen. Aufgrund des andauernden Handelsstreits zwischen den USA und China und den daraus resultierenden Sanktionen müssen Huawei-Handys auf unbestimmte Zeit ohne Google Services auskommen. Play Store, Maps, Drive, Docs, Kalender oder Youtube laufen nicht – weshalb Huawei auf einen Release des Mate 30 Pro in Europa damals verzichtete.

Nun allerdings gibt es das Smartphone in limitierter Stückzahl in Österreich – etwa beim Mobilfunker Drei oder im Elektronikhandel von Mediamarkt. Gerüchte über das Highend-Smartphone gibt es genug: Es sei unbrauchbar für europäische Nutzer, es habe keine Chance, es scheitere in der Praxis, sagen Kritiker. Der "Heute"-Test des Geräts zeigt aber: Vieles davon ist mehr Mythos als eine reale Bewertung des Smartphones.

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Die Betriebssystem-Causa

Das Huawei Mate 30 Pro läuft auf Android 10 mit der EMUI-Benutzeroberfläche. Android ist Open-Source, aufgrund des US-Banns fehlen dem Mate 30 Pro aber die Google-Services und dadurch auf Google-Apps wie GMail, Google Maps, Youtube und der Play Store. Theoretisch fehlen auch US-Apps wie Facebook, Whatsapp und Instagram. Für Letztere gibt es allerdings bereits offizielle Downloads, um sie am Mate nachzuinstallieren. Wer zuvor ein Huawei-Smartphone hatte, kann sie auch einfach mit der "Phone Clone"-App aufs Mate kopieren.

In der Praxis ist das Fehlen der Apps weit weniger schlimm, als es sich anhört. Über die Huawei-eigene E-Mail-App lässt sich das GMail-Konto einrichten, Youtube und Google Maps können im Browser genutzt werden und die AppGallery als Alternative zum Play Store wächst immer weiter, hier sollen auch App-Alternativen wie ein Kartendienst von TomTom erscheinen. Generell also: Es funktioniert alles, wenn auch nicht in der App-Form, die man bisher kannte.

Beim alternativen Weg, das Smartphone einzurichten, kann man in wenigen Minuten sogar die Google-Dienste wie bisher nutzen. Ein Hinweis: Der Weg ist nicht offiziell und könnte – zumindest in der Theorie – unsicher sein. Verschiedene, auch renommierte Seiten, bieten die Google-Dienste und -Apps zum Nachinstallieren an. Wir haben das getestet und die Apps und Dienste funktionieren danach perfekt. Sie lassen sich ausführen und updaten, man kann sich aus dem Play Store alle gewohnten Apps holen und eine Überprüfung zeigte, dass keine privaten Daten abgesaugt werden.

Beim alternativen Weg, das Smartphone einzurichten, kann man in wenigen Minuten sogar die Google-Dienste wie bisher nutzen.

Endlich ein innovatives Design

Die Mate-Serie ist traditionell die Geräte-Serie, bei der Huawei nicht nur auf technische, sondern auch Design-Innovationen setzt. Das ist beim Mate 30 Pro außerordentlich gut gelungen. In Österreich ist das Smartphone in der Farbe Space Silver zu haben, was einem glänzenden Silber-Violett entspricht. Beeindruckend ist das um die Kanten fließende 6,53 Zoll große AMOLED-Display mit der Auflösung von 1.176 x 2.400 Pixeln. Das Gerät hält sich trotz abgerundeter Seiten gut in der Hand.

Am oberen Rand des Display befindet sich ein breiter Notch mit einer 32-MP-Frontkamera, einem Tiefen-Sensor und einer 3D-Gesichtserkennung. Die Lautstärke-Wippe an der rechten Geräteseite fällt weg, ihre Funktionen übernimmt eine beidseitig ins Display integrierte Touch-Steuerung, die durch etwas festeres Antippen des Displays ausgelöst wird. Nur der klassisch rote Power-Knopf ist an der Seite des Geräts verblieben. Wie schon im Vorgänger ist wieder ein Fingerabdruck-Sensor im Display verbaut.

Auch auf der Rückseite wird Glas verwendet – kabelloses Laden (27 Watt) und umgekehrtes Laden von Geräten ist möglich. Die Rückseite ist gleichzeitig komplett neu gestaltet, aber gewohnt stilvoll gehalten. Die Vierfach-Kamera (40 MP Superweitwinkel, 40 MP Weitwinkel, 8 MP Telelinse und 3D-Tiefensensor mit Laser-Fokus) mit Leica-Unterstützung ist in einem kreisförmigen Modul mittig am oberen Bereich platziert, darum zieht sich als Design-Element ein weiterer Kreis. Das einzigartige Design hebt das Smartphone komplett von seinen Konkurrenten ab. Auch auf der Rückseite sind die Kanten zum extrem schmalen Metallrahmen hin abgerundet. Das Gerät sieht aber nicht nur toll aus, es ist auch wasser- und staub-dicht nach IP 68.

Die Lautstärke-Wippe an der rechten Geräteseite fällt weg, ihre Funktionen übernimmt eine beidseitig ins Display integrierte Touch-Steuerung.

Technisch top ausgerüstet

Beim Innenleben zeigt sich die Mate-Serie stärker denn je. Der hauseigene Kirin 990 Prozessor hat mehr Power als ein Smartphone überhaupt braucht, 8 Gigabyte Arbeitsspeicher sind ebenso beeindruckend. Der 4.500 mAh große Akku ist wieder in Rekordzeit von unter 40 Minuten voll geladen (40 Watt) und bringt auch Dauernutzer beinahe über zwei Tage. Die Kamera-Spezifikationen machen des Mate 30 Pro zudem zu einem der stärksten Foto-Smartphones, das es überhaupt gibt.

Der mit 256 GB schon recht üppig ausgestattete interne Speicher kann per Huawei-Nano-Memory-Card praktisch erweitert werden. Verbessert worden zu sein, scheint der einzelne Lautsprecher an der Unterseite, er klingt etwas Bass-lastiger als zuvor. Das Mate 30 Pro bietet auch alle neuen Features wie WLAN ac, Bluetooth 5.1, USB C 3.1, GPS und NFC, in Österreich wird allerdings nur das Mate ohne 5G-Unterstützung angeboten. Klassischen 3,5-Millimeter-Kopfhöreranschluss gibt es keinen.

Beim Design gibt es derzeit kein einziges dermaßen spannendes Smartphone wie das Huawei Mate 30 Pro, bei der Hardware kann man sich mit den Besten der Welt messen. Vor allem die Kamera setzt neue Maßstäbe – mit Zeitlupen-Clips mit 7.860 Bildern pro Sekunde und atemberaubend schönen Fotos. Demnächst liefern wir dazu einen Kamera-Test ab. Bleibt noch die Software-Causa. Wer bereit ist, Alternativen zu den bekannten Apps zu nutzen, andere Wege bei den Anwendungen zu gehen oder etwas Extra-Arbeit ins Smartphone zu stecken, bekommt mit dem Huawei Mate 30 Pro um 1.099 Euro ein außergewöhnliches Smartphone.

Beim Design gibt es derzeit kein einziges dermaßen spannendes Smartphone wie das Huawei Mate 30 Pro, bei der Hardware kann man sich mit den Besten der Welt messen.



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