Sport

Das ist Salzburgs neue Hi-Tech Jugend-Akademie

Heute Redaktion
14.09.2021, 15:03

Red Bull hat seine seit 2005 geplante Talentschmiede fertiggestellt. Im Salzburger Stadtteil Liefering steht seit diesem Sommer auf einer Fläche von knapp 100.000 Quadratmetern die "Red Bull Salzburg Fußball- und Eishockeyakademie". In naher Zukunft sollen hier aus heimischen und internationalen Talenten Profis gemacht werden

Red Bull hat seine seit 2005 geplante Talentschmiede fertiggestellt. Im Salzburger Stadtteil Liefering steht seit diesem Sommer auf einer Fläche von knapp 100.000 Quadratmetern die "- und Eishockeyakademie". In naher Zukunft sollen hier aus heimischen und internationalen Talenten Profis gemacht werden.

Lediglich 21 Monate dauerte die Bauphase der Akademie am Gelände der ehemaligen Trabrennbahn. Als "Prunkstück" dient das 12.330 Quadratmeter große Hauptgebäude, dazu kommen sieben Fußballfelder und zwei Eishallen, die das ganze Jahr über nutzbar sind. Akademieleiter Winfried Kogelnik sieht in der Verwirklichung des Großprojekts ein "Bekenntnis zum Standort Salzburg".

120 heimische und internationale Talente aus dem Fußball- und Eishockeybereich wohnen derzeit im Internat, insgesamt arbeiten täglich knapp 400 junge Menschen an der Verwirklichung ihres großen Traums, einmal Profi zu werden. Die Voraussetzungen dafür sind nicht nur für österreichische Verhältnisse einmalig. "Wir wollen mit diesen außergewöhnlichen Bedingungen versuchen, österreichische Toptalente länger im Land zu behalten", sagte Ralf Rangnick, Sportdirektor der Fußball-Sektion.

Sieben Plätze und beheizbare Kunstrasen-Halle

Für die Fußballer stehen gleich sieben Spielfelder zur Verfügung, darunter eine temperierte Kunstrasen-Halle. Die Eishockey-Cracks können das ganze Jahr über in zwei Eishallen trainieren. Die Trainings beider Sparten werden durch modernste Technik unterstützt. Über ein sogenanntes "Tracking"-System können Spielzüge und Bewegungsabläufe genauestens dokumentiert und simuliert werden. Neben sämtlichen Spielern sind auch der Ball bzw. Puck mit einem Transponder ausgestattet. "Es ist wichtig, den Ball zu 'tracken', weil wir erst dadurch taktische Überlegungen treffen und uns dadurch weiterentwickeln können", erklärte Nachwuchsleiter Ernst Tanner.

Dass aber die vorhandene Technik und die riesigen Möglichkeiten von Red Bull, Leistungen messbar zu machen, in Zukunft sportlichen Erfolg garantieren, glaubt Sportdirektor Rangnick nicht: "Wir haben jetzt vor anderthalb Wochen wieder leidvoll erfahren müssen, dass Erfolg auf den Punkt hin, auf einen Tag hin, auf ein Spiel hin, nicht planbar ist."

Besonderer Stolz: Der Motorikpark

Am Gelände befindet sich zudem ein Motorikpark, auf dem vor allem die Jüngsten auf einer Länge von knapp 300 Metern an verschiedenen Geräten Koordinations-, Geschicklichkeits- und Gleichgewichtsübungen absolvieren können. Beispielhaft für die üppige Ausstattung ist die wohl weltweit einzigartige "Skate Mill". Das 2,5 mal 2,5 Meter große schlittschuhtaugliche Laufband zum Fahrtechniktraining kann eine Geschwindigkeit von bis zu 30 km/h erreichen. Darüber hinaus können die Cracks mithilfe eines Schussanlagensystems ("Rapid Shot") ihr Reaktionsvermögen und die Treffsicherheit mit dem Puck trainieren.

"Die Bedingungen, die wir haben, sind fantastisch. Ich glaube nicht, dass es in Europa so etwas wie hier noch einmal gibt", meinte Rangnick, der jedoch klarstellte: "Richtig wertvoll werden die Bedingungen erst durch das Niveau der Leute, die hier arbeiten." Auf etwa zehn Spieler komme derzeit ungefähr ein pädagogischer Betreuer. Zudem soll jederzeit ein Arzt verfügbar sein. "Die für den Sport wichtigen medizinischen Aspekte haben wir im Haus abgedeckt", erläuterte Tanner. Im späteren Akademiealter begleiten zudem drei ausgebildete Psychologen die Entwicklung.

Arbeit im Eishockey-Bereich trägt bereits Früchte

In den Kadern der diversen Red-Bull-Eishockeymannschaften finden sich bereits jetzt Talente verschiedenster Nationalitäten. Rund zwei Drittel würden aus Österreich und Deutschland stammen, der Rest sei international. "Die Dichte im Eishockey ist in Österreich und Deutschland nicht so hoch wie im Fußball. Wir versuchen damit das Trainingsniveau zu heben", erklärte der Nachwuchsleiter im Eishockey, Helmut Schlögl. Dies trage bereits jetzt erste Früchte: "Früher sind die Jungs nach Nordamerika gegangen. Jetzt merkt man, sie bleiben da und sehen das als Option", so Schlögl.

Während die Ausrichtung im Eishockey eindeutig international ist, soll der Stamm der Fußball-Mannschaften aus dem Salzburger Bereich kommen. "Wenn die Hälfte der U18-Mannschaft aus Salzburg stammt, wäre das akzeptabel", sagte Tanner. Da die FIFA einen Wechsel von Minderjährigen untersagt, sei die Verpflichtung von ausländischen Spielern ohnehin nur bedingt ein Thema.

Grenzen beim Feilschen um Toptalente 

Zudem will Tanner beim Feilschen um internationale Toptalente Grenzen ziehen. Wie etwa um das norwegische Supertalent Martin Ödegaard, dem bereits Ähnlichkeiten mit Argentiniens Superstar Lionel Messi nachgesagt werden. "Wir waren als erster Verein überhaupt an ihm dran", betonte Tanner. Weil sich die Verhandlungen aber mittlerweile im Millionenbereich befänden, habe Red Bull die Verhandlungen abgebrochen. "Diesen Wahnsinn dürfen wir auch als Red Bull nicht mitmachen", bekräftigte Tanner.

Der Weg ins Profigeschäft ist ein harter und nicht immer von Erfolg gekrönt. "Natürlich wird es auch Spieler geben, die es nicht schaffen. Wir gehen da aber nicht nach einem Fire-and Hire-Prinzip, sondern achten schon darauf, dass sie bei uns eine möglichst lange Perspektive haben", stellte Kogelnik klar. Die Jugendlichen, die im Internat wohnen, verbringen den überwiegenden Teil der Zeit am Areal der Akademie. Während der Schulzeit werden die Talente von Bussen direkt zu einer der fünf Kooperationsschulen gebracht.

"Wirkliche berufliche Ausbildung"

Dass jene jungen Menschen nicht das Leben von "typischen" Jugendlichen führen können, sei ihnen bewusst. Das gelte ja nicht nur für die Salzburger Talente, sondern für den gesamten Nachwuchs im Leistungssport. "Es ist wirkliche eine berufliche Ausbildung, und die hat auch ihre Konsequenzen", meinte Kogelnik.

Der Bau der Akademie war lange umstritten und wurde durch Kritik vonseiten des Planungsstadtrats, diverser Bürgerinitiativen zum Grünlandschutz und einer kurzfristigen negativen Stellungnahme der Naturschutzbehörde immer wieder verzögert. Von Genugtuung will Akademieleiter Kogelnik nach der bautechnischen Realisierung des Projekts nichts wissen: "Bei Herrn Mateschitz ist immer eine langfristige Lösung das Thema und kein kurzes Feuer. Für die Zielfokussiertheit ist Red Bull bekannt", betonte Kogelnik, der sich zu den Kosten für die Errichtung der Akademie nicht äußern wollte. Red Bull würde jedoch keine Förderungen der öffentlichen Hand erhalten.

"Vom ersten Gedanken an war es unser Ziel, hier etwas Außergewöhnliches entstehen zu lassen", wird Red-Bull-Milliardär Dietrich Mateschitz in einer Broschüre zur Eröffnung zitiert. Es lässt sich durchaus sagen, dass Red Bull das gelungen ist.

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