Anike Ekina packt aus:

"Das war der größte Fehler meines Lebens"

OnlyFans-Star Anike Ekina (41) zählt zu den erfolgreichsten Creatorinnen Deutschlands – nun packt sie über dubiose Agenturen aus.
André Wilding
08.02.2026, 13:30
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Anike Ekina gehört seit Jahren zu den erfolgreichsten BestFans- und OnlyFans-Creatorinnen aus Deutschland. Seit ihrem Start auf der Plattform hat sie insgesamt knapp zwei Millionen US-Dollar Umsatz erzielt. Der überwiegende Teil dieses Erfolgs entstand ohne Agentur. Die Zusammenarbeit mit einer OnlyFans-Agentur im Jahr 2024 beschränkte sich auf wenige Monate und fiel nicht in ihre stärksten Umsatzphasen. Umso klarer fiel ihre Entscheidung aus, sich wieder vollständig von Agenturmodellen zu trennen und öffentlich über ihre Erfahrungen zu sprechen.

Wurdest du oft von OnlyFans-Agenturen angesprochen?

Ja, ständig. OnlyFans-Agenturen schreiben sehr aggressiv über Instagram, Telegram oder E-Mail. Das ist Alltag für viele Creator:innen. Aber zwischen angesprochen werden und wirklich zu verstehen, wie dieses System funktioniert, liegt ein großer Unterschied. Ich habe mich irgendwann auf eine Zusammenarbeit eingelassen und erst dann begriffen, was dahintersteckt.

Was hast du in dieser Zusammenarbeit konkret erlebt

Ab dem Moment, in dem man drin ist, wird enormer Druck aufgebaut. Mir wurde sehr klar gesagt: • "Du musst funneln", "Hol die Leute von Instagram rüber", "Wenn dein Kanal nicht performt, mach fünf neue Instagram-Accounts am Tag." Wenn man das nicht macht, heißt es schnell: "Dann bist du selbst schuld, wenn du weniger verdienst." Die Verantwortung wird komplett auf dich abgewälzt. Du sollst immer neue Kunden liefern, egal wie.

Gab es konkrete Maßnahmen, die für dich eine Grenze überschritten haben?

Ja. Zu Marketingzwecken wurden massiv Abos verschenkt, damit möglichst viele Menschen kostenlos in den Account kommen, nicht um Community aufzubauen, sondern damit sie ins Nachrichtensystem gelangen. Dort wurden sie dann unter Druck gesetzt, Inhalte zu kaufen. Das hatte für mich etwas von modernem Teleshopping: schnell, aggressiv, ohne Beziehung. Das war komplett gegen meine eigene Philosophie. Ich hatte immer mehr Abonnenten als Nachrichtenverkäufe und mir wurde gesagt, das sei falsch.

Warum war dir das so wichtig?

Weil meine Community nie darauf aufgebaut war, Menschen zu drängen. Ich wollte Fans, die freiwillig da sind, nicht Leute, die man reinholt, um sie möglichst schnell zum Kaufen zu bringen. Als mir erklärt wurde, dass mein Modell "nicht optimal" sei, wurde mir klar, dass wir grundlegend unterschiedliche Vorstellungen davon haben, wie man mit Menschen umgeht.

Was genau ist das Problem mit vielen OF-Agenturen? Siehst du problematische oder betrügerische Tendenzen?

Ich kann nur von meinen Erfahrungen sprechen, aber die waren heftig. Fans dachten, sie schreiben mit mir persönlich. In Wahrheit schrieben fremde Menschen in meinem Namen, mit massivem Verkaufsdruck. Ich habe, um mich selbst abzusichern, mehrfach Hinweise in meine Bio geschrieben, dass es sein kann, dass Nachrichten nicht ausschließlich von mir beantwortet werden. Diese Hinweise wurden immer wieder gelöscht. Ich habe sie zusätzlich dann in meinen Homepage AGB’s von meiner Firma verankert.

Spätestens da war für mich klar: Hier geht es nicht um Unterstützung, sondern um Kontrolle. Es hat sich für mich angefühlt wie digitale Zuhälterei: Andere steuern deinen Namen, deine Stimme, deine Beziehung zu Menschen und du sollst liefern

Du hast auch mit anderen Creatorinnen gesprochen, ist das ein Einzelfall?

Nein. Und das war besonders erschreckend. Ich habe mit vielen anderen Creatorinnen gesprochen und gemerkt: Das Wording ist immer dasselbe. Die gleichen Versprechen, die gleichen Druckmittel. Viele dieser Agenturen sind extrem jung. Teilweise sitzen da Leute Anfang 20, die aus dem Kinderzimmer heraus Accounts steuern. Man nennt sie inzwischen nicht ohne Grund "Kinderzimmeragenturen".

Gibt es aus deiner Sicht auch seriöse Agenturmodelle?

Ja, die gibt es. Es gibt Agenturen, die transparent arbeiten, bei denen Creator:innen jederzeit die Kontrolle behalten und die nur unterstützend tätig sind zum Beispiel beim Sortieren oder Beantworten von Nachrichten, ohne sich als Creator auszugeben. Das ist eine völlig andere Kiste. Für mich persönlich kommt aber auch das nicht mehr infrage. Ich habe gemerkt: OnlyFans funktioniert für mich nur ohne Agentur.

Agenturen argumentieren oft mit höheren Umsätzen. Stimmt das?

Das ist der größte Trugschluss. Wenn du vorher alleine 30.000 Euro im Monat gemacht hast und dir gesagt wird: "Mit uns machst du mindestens das Doppelte", steht plötzlich 50.000 oder 60.000 in der Statistik.

Aber: Von diesen 50.000 gibst du oft 50 Prozent Provision ab. Dann bleiben dir 25.000 – also weniger als vorher. Und darauf kommen häufig noch Steuern, etwa über Reverse-Charge-Modelle. Am Ende zahlst du schnell um die 60 Prozent deines Geldes ab. Die Zahl sieht größer aus. Das Ergebnis ist schlechter.

Was hat das alles mit dir gemacht?

Ich hatte zeitweise rund 3.500 Abonnenten! Nach der Zusammenarbeit mit Agenturen waren es nur noch etwa 1.000. Ich habe unendlich viele Fans verloren, weil sie sich benutzt gefühlt haben. Heute baue ich mir alles wieder alleine auf, ehrlich, langsam, aber sauber. Rückblickend war das der größte Fehler meines Lebens.

Was würdest du anderen OnlyFans-Creator:innen raten?

Ganz klar: Lasst euch nicht blenden. Rechnet alles selbst nach. Gebt euren Account nicht aus der Hand. Und glaubt niemandem, der euch sagt, Täuschung sei normales Business. Ich mache heute alles selbst. Nicht perfekt. Nicht immer schnell. Aber ehrlich. Und genau das wollen die Leute

{title && {title} } wil, {title && {title} } Akt. 09.02.2026, 11:08, 08.02.2026, 13:30
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