Beim Feiern des zweiten deutschen Meistertitels in Folge haben die Dortmunder ähnlich viel Stehvermögen und Leidenschaft wie auf dem Rasen gezeigt. Von allem Druck befreit, ließen sie es in der Nacht nach dem entscheidenden 2:0 über Mönchengladbach ordentlich krachen.
"Das ist Gänsehaut pur. Ich werde jetzt bis Mittwoch feiern und frei machen", kündigte der in der alten und neuen deutschen Fußball-Hauptstadt geborene Mittelfeldspieler Kevin Großkreutz an. Schon zum Vier-Gänge-Menü beim Italiener "Piazza Navona" erschienen die meisten Profis leicht beschwingt. Das spontane Fest wenige Stunden zuvor im Stadion hatte Spuren hinterlassen. Vor der Südtribüne duschten alle Spieler ausgiebig in Bier und posierten mit einer überdimensionalen Meisterschale aus Kunststoff.
Berauscht von der Euphorie der Fans und der Leistung seines Teams ließ der durchnässte Meistertrainer Jürgen Klopp die obligatorische Pressekonferenz sausen. "Wir haben seit 26 Spielen nicht mehr verloren - das ist verrückt", sagte Klopp. Die vielen Glückwünsche gab er umgehend an seine Profis und die Führungsriege mit Präsident Reinhard Rauball, Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Sportdirektor Michael Zorc weiter: "Ich danke Zorc, Watze und Rauball, dass sie mir dieses Team zusammengestellt haben. Diese Mannschaft kann jeder trainieren, sie hat einen außergewöhnlichen Charakter."
"Selten einen verdienteren Meister"
Der fulminante Schlussspurt der Dortmunder erfüllte Zorc mit Stolz: "Wir haben binnen zehn Tagen den Zweiten, Dritten und Vierten geschlagen. Es gab selten einen verdienteren Meister als in dieser Saison." Ähnlich wie bei den Siegen über Bayern (1:0) und Schalke (2:1) behielt der Titelverteidiger auch im Showdown gegen Martin Stranzl und Co. die Nerven.
Dabei hatte der Nachmittag wenig verheißungsvoll begonnen: Mit dem Last-Minute-Treffer von Franck Ribery zum 2:1 der Münchner drei Stunden zuvor in Bremen erfüllte sich die Hoffnung auf eine vorzeitige Titelentscheidung noch nicht. "Das war für uns schon ein Einschlag, aber wie die Mannschaft darauf reagiert hat, war einfach nur geil", kommentierte Klopp den Sieg durch die Tore von Ivan Perisic (23.) und Shinji Kagawa (59.).
Weiterer Rekord winkt
Bei Erfolgen in den beiden restlichen Spielen gegen Kaiserslautern und Freiburg winkt dem BVB ein weiterer Rekord. Nie zuvor kam ein Bundesligist auf 81 Saison-Punkte. Dabei schien der Zauber schon nach der 6. Runde verflogen. Im Anschluss an das 1:2 in Hannover rangierte der Titelverteidiger abgeschlagen auf Rang elf. "Ich saß 20 Minuten regungslos auf der Tribüne. Hätte mir damals jemand erzählt, dass wir bis zum Saisonende nicht mehr verlieren, hätte ich ihn für verrückt erklärt", sagte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke.
Glückwünsche kamen am Sonntag auch vom Rivalen aus München. "Borussia Dortmund hat eine sehr gute Saison gespielt, die Mannschaft hat Klasse und Konstanz bewiesen und ist deshalb verdient deutscher Meister 2012 geworden", erklärte der Bayern-Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge. Im Cupfinale werden Bayern und Dortmund noch einmal aufeinanderprallen. "Wir haben die Chance, Historisches zu schaffen. In unserer Vereinsgeschichte wurde noch nie das Double geholt. Das können wir jetzt nachholen", meinte Dortmunds Sportdirektor Zorc.
Noch eine Party
Die eigentliche Titelparty steht daher noch aus. Einen Tag nach dem Cupfinale wollen Mannschaft und Fans am 13. Mai in Dortmund ganz groß feiern. Bei der Meisterschaft 2011 waren 400.000 zum Autokorso gekommen.