"Daten sammeln": Amazon eröffnet ersten Friseur-Salon

Der Online-Gigant Amazon eröffnet einen eigenen Friseursalon vollgestopft mit neuster Technologie. Doch was genau steckt dahinter? Das sagen Experten.

Der US-Konzern Amazon ist weltweit für seinen gigantischen Onlineshop bekannt. Doch das Unternehmen drängt zunehmend in die Offline-Welt. Nun wagt der Online-Gigant sich sogar in ein gänzlich neues Geschäftsfeld vor: 

 In einem Blog-Eintrag kündigte Amazon vergangene Woche die Lancierung eines Hightech-Friseursalons in der englischen Hauptstadt London an.

Das schlicht und einfach "Amazon Salon" getaufte Geschäft soll den Kunden "das Beste aus Haarpflege und Styling" bieten können. Etwa 140 Quadratmeter ist der Salon groß, erstreckt sich über zwei Etagen und befindet sich im trendigen Stadtviertel Spitalfiels. 

Kamera-Technologie vorantreiben

Die Tatsache, dass sich ein Onlinekonzern plötzlich mit Haareschneiden beschäftige, sei tatsächlich "verwirrend", sagt E-Commerce-Expertin Sucharita Kodali zur "Washington Post", die Amazon-Gründer Jeff Bezos gehört. Gerade eine Branche, in der vor allem reine Handarbeit gefragt sei, biete wenig Platz für Hightech.

Laut der US-Zeitung spekulieren Experten daher, dass Amazon mit dem Salon die intelligente Kamera-Technologie Computer Vision vorantreiben will. Diese setzt das Unternehmen bereits im stationären Laden-Konzept Amazon Go ein.

Dort verfolgen Sensoren und Kameras die Kunden und registrieren, welche Produkte die Kunden aus dem Gestell nehmen. Kassen gibt es bei Amazon Go nicht. Die Kunden können mit ihren Einkäufen einfach aus dem Laden laufen. Abgerechnet wird dann über die App.

Sammeln von Daten

So könnte der Salon ein weiterer Schritt für Amazon sein, um mehr Verbraucherdaten in der realen Welt zu sammeln, schreibt die US-Zeitung. 

 Denn die Kameras können nicht nur erkennen, welche Person sich im Salon gerade aufhält, sondern auch was diese gerade tut und wie sie sich verhält.

Im Amazon Salon ist an jedem Schneideplatz ein Tablet integriert: Zu den Technologien, die zum Einsatz kommen, gehören daher auch Augmented-Reality-Bildschirme, in denen Kunden sich mit neuen Frisuren oder Haarfarben betrachten können. Mit Hilfe dieser Technologie sollen die Besucher also schon im Vorfeld sehen, wie der neue Look an ihnen aussieht, schreibt der Konzern in seinem Blog.

"Experimenteller Ort"

Ebenso testet Amazon die so genannte Point-and-Learn-Technologie. Dank dieser können Kunden auf ein gewünschtes Haarprodukt auf dem Regal zeigen, wobei ihnen dann die dazugehörigen Informationen samt Videos auf dem Bildschirm gezeigt werden. Anschließend kann man die Produkte via QR-Code im Regal scannen und bei Amazon online kaufen.

"Der Salon wird ein experimenteller Ort sein, an dem wir neue Produkte und Technologien vorstellen".

Dies teilte das Unternehmen weiter mit. Außerdem soll das Friseurstudio zunächst nur für die 5000 Mitarbeiter der nahen Hauptverwaltung von Amazon in Großbritannien öffnen. In wenigen Wochen werde der Salon dann auch für die Öffentlichkeit - mit vorheriger Terminbuchung - zugänglich sein. Weitere Salons seien laut Amazon derzeit aber nicht geplant.

Amazon in stationärer Branche

Der Friseursalon von Amazon ist allerdings nicht das erste Experiment des Konzerns in einer stationären Branche. Amazon betreibt neben seinen Online-Geschäften (Versandhandel, Cloud-Computing, Video- und Audiostreaming) unter anderem auch mehrere "physische" Läden unter der Marke Amazon Go und Amazon Fresh. Auch den Buchhandel Amazon Books gibt es mittlerweile stationär.

Zudem hat Amazon 2017 die Bio-Supermarktkette Whole Foods mit rund 500 Filialen in den USA übernommen. Auch in diesen Geschäften experimentiert Amazon mit neuen Technologien wie etwa kassenlosen Bezahlsystemen. Damit treibt der Konzern die Verzahnung von Online- und stationärem Handel voran.

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