Wien

David (14) wächst ohne Papa dafür mit Mentor Thomas auf

Thomas Z. ist Mentor beim Verein "younus". Er betreut ehrenamtlich den 14-jährigen David, dem eine männliche Bezugsperson in seinem Leben fehlt.
Yvonne Mresch
27.09.2023, 16:22
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben

"Ich hatte immer schon eine soziale Ader", erzählt Thomas Z. im Gespräch mit "Heute". Der 21-jährige war bereits in Kindergärten tätig und entschied sich nach der Matura für das Studium der Sozialen Arbeit. Doch das war dem engagierten Wiener noch nicht genug. "Ich wollte mich ehrenamtlich engagieren und einer Person Zeit schenken."

Einmal Verantwortung abgeben

Gesagt, getan. Der gebürtige Oberösterreicher gelangte an den Verein "younus", eine der größten Mentoring-Organisationen Österreichs. Kinder, Jugendliche und Eltern, denen eine Bezugsperson fehlt, finden dort einen Mentor, der sie mindestens ein halbes Jahr lang betreut. Vorab gibt es für Interessierte ein Gespräch und Schulungen, so auch bei Thomas Z., der schließlich seinen Mentee in David (Name geändert) fand. Seit einem Jahr sind die beiden ein Herz und eine Seele.

Dem 14-jährigen fehlt eine männliche Bezugsperson, die Mutter ist alleinerziehend und berufstätig. "Er wollte deshalb unbedingt einen männlichen Mentor", erzählt Thomas Z. "Er braucht eine Person, mit der er sich austauschen kann und bei der er Verantwortung abgeben kann. Denn aufgrund seiner Situation muss er zu oft Verantwortung tragen." Zum Mentoring kam David über die Schule – dort habe man gemerkt, dass der Junge sehr nach innen gekehrt ist.

"Manchmal sprechen wir einfach darüber, was ihn beschäftigt"

"Er ist ein herzlicher Mensch und sehr offen, aber auch nachdenklich. Ich freue mich, dass er bei mir die Kontrolle abgeben kann und wir eine so schöne Zeit haben", strahlt Thomas Z. Denn gemeinsame Interessen waren schon bald gefunden: Dazu zählen Besuche im Theater ebenso wie regelmäßige Fahrten in den Prater. Mindestens einmal wöchentlich stehen die beiden im Austausch und fast genauso oft unternehmen sie etwas gemeinsam. "Manchmal gehen wir auch nur spazieren oder reden darüber, was ihn gerade beschäftigt", so Thomas Z. "Ich fühle mich 'geehrt', wenn er sich öffnet und mit mir auch über tiefgründigere Themen spricht, das ist nicht selbstverständlich."

"Vielen fehlt eine männliche Ansprechperson"

Auch mit Davids Familie hat der 21-jährige einen guten Austausch. "Sie schätzen das was ich tue und haben Vertrauen in mich. Ich wurde sogar zur Firmung eingeladen", schmunzelt er. Gut also, dass das Mentoring nun auf Wunsch aller um ein Jahr verlängert wurde. Und selbst dann weiß Thomas: "Wir werden in Kontakt bleiben!" Denn auch für ihn ist die Zeit wichtig: "Man bekommt viel zurück. In der heutigen Zeit machen wir oft unnötige Dinge zum Zeitvertreib, sind stundenlang am Handy. So unterstütze ich jemanden und verbringe mein Wochenende mit sinnvollen Tätigkeiten. Ich lerne auch von ihm, er inspiriert mich und hat oft gute Sichtweisen. Außerdem bleibe ich modern, lerne neue Jugendwörter", lacht er. "Man sieht einfach, dass man eine Vorbildfunktion hat und das Kind auf einen zugeht. Das macht mich glücklich."

Menschen wie Thomas Z. werden noch gesucht – und vor allem männliche Mentoren sind sehr gefragt. "Im sozialen Umfeld, der Schule, etc. sind viele Jugendliche von Frauen umgeben und ihnen fehlt eine männliche Ansprechperson. Aber das Thema ist immer noch schambehaftet", so der Mentor, der appelliert: "Jungs, traut euch!" Bei der elften Freiwilligenmesse im Wiener Rathaus, die am 7. und 8. Oktober über die Bühne geht, präsentiert "younus" seine Angebote. Der Eintritt ist frei.

Mehr zum Thema
Jetzt E-Paper lesen