Der "Austria-Neurologe": Udo Zifko im "Heute"-Talk

Austria-Neurologe Udo Zifko
Austria-Neurologe Udo ZifkoBild: GEPA-pictures.com

Chirurg Benno Zifko ist Teamarzt bei Rapid, Udo testet die Austria-Kicker. Der Neurologe im ausführlichen "Heute"-Talk über die Violetten und seinen "grün-weißen" Bruder.

Heute: Wann wurden Sie zum Austria-Fan?



Udo Zifko: "Als ich die Austria am Sportclub-Platz spielen sehen habe. Mein großer Bruder war damals 14, 15, ich durfte mit seinen Freunden mit zum Sportclub-Platz gehen. Ich sah die Austria und dachte mir, das ist das erste Mal, dass eine richtige Mannschaft richtigen Fußball spielt. Der Sportclub stieg in diesem Jahr in die 2. Liga ab – ab da war die Austria meine Mannschaft in der 1. Liga, der Sportclub darunter, der blieb bis heute eine Zweitliebe. Ich wurde also zwischen meinem siebten und neunten Lebensjahr Austria-Fan und bin es bis heute geblieben."

Was gefiel Ihnen so am damaligen Austria-Spiel?

"Einfach alles. Die Technik, das Dribbeln, die schnellen Kombinationen, dann haben sie damals sehr offensiv gespielt. Die Spieler, wie zum Beispiel die Sara-Brüder, hatten einfach eine unglaubliche Qualität. Ein Prohaska, den ich nach einem Cup-Sieg auf den Schultern getragen habe – da bin ich runter gehupft auf das Feld. Der Schoko Schachner, für den wir auf der Tribüne 'Schoko, Schoko, komm bald wieder' riefen – das sind einfach Kindheits-, Jugenderinnerungen. Das Europacup-Halbfinale mit dem Elferschießen…"

Wer ist Ihr Lieblings-Austrianer?

"(Überlegt lange…) Ich trau es mich gar nicht sagen, aber der Junuzovic, der Baumgartlinger, die haben mir am meisten gefallen. Vor allem der Junuzovic gefällt mir persönlich, schade, dass er jetzt bei Salzburg ist. Aber Spieler aus dieser Zeit, Dragovic, Klein auch noch – das war schon eine schöne Zeit. Schachner war in seiner Zeit bei uns damals auch ein Wahnsinn zum Zuschauen, ich habe auch einen Alfred Drabits noch als Spieler erlebt, einen Tommi Parits. Ich habe jetzt nicht einen Spieler, bei dem ich sofort aufschreie. Der Prohaska war als Spieler natürlich auch toll, aber den finde ich als Menschen faszinierend. Wenn man mich nach der größten Persönlichkeit beim FK Austria Wien fragt, dann ist das der Prohaska, von seinem Charakter, von seinem Wesen her. Von den Fußballern will ich aber nicht einen herausstreichen, sondern viele, die die Austria verkörpern – wie Junuzovic. Ballsicher, tolle Technik und Schussgenauigkeit, mit Herz am Platz dabei, ein kluger Kopf auch. Die Jungen von heute, Pichler, Wimmer, sind ja auch alle wiffe Kerle. Das sind Spieler, die mehr können, als nur laufen und schießen."

Wie sehr leiden Sie in der aktuelle Misere mit?

"Sehr. Die Entwicklung in den letzten Jahren war nicht optimal. Plus ein bisschen Pech bei den Neueinkäufen, zum Beispiel 33-, 34-jährige deutsche Ex-Liberos. Plus laut Wohlfahrt Perspektivspieler, die dann nie Perspektivspieler wurden, die nur billiger wieder zu verkaufen waren. Da schließe ich mich der Meinung Toni Polsters an, dass das nicht gut gemacht worden ist. Prinzipiell, was ich als Außenstehender beurteilen kann, ist, dass es mit Stöger wieder ganz gut wird. In den letzten Jahren griff das eine Rad nicht mehr so gut in das andere, die eine oder andere Entscheidung war unglücklich, nicht gut überlegt. Es war eine Kombination von vielen Umständen, das Stadion kam ja auch noch dazu, die nicht so guten Einkäufe, die Trainerwechsel, ein, zwei Vorstände vor den jetzigen, die nicht optimal waren – aber ein Tief muss auch mal sein. Der ÖSV hatte heuer auch kein Hoch, aber in zwei, drei Jahren gewinnen wir wieder den Nationencup mit 1.000 Punkten Vorsprung – und genauso wird die Austria auch wieder oben sein. Aber durch diesen Prozess müssen sie durchgehen und dem Stöger die Zügel in die Hand geben – bis jetzt machen sie das aber eh gut.

Jetzt ist es eine unglückliche Kombination von vielen Dingen, aber ich bin sehr zuversichtlich, wenn der Weg so fortgeschritten wird, wenn das Trainerteam bleibt, wenn der Sportvorstand bleibt, dann geht es wieder aufwärts. Wenn der Trainer in Ruhe weiter arbeiten darf, wenn die Jungen weiter eingebunden werden, dann wird es in zwei Jahren wieder ein tolles Team geben. Es muss sich wieder was entwickeln…"

Wie läuft ein Wiener Derby zwischen Ihnen und Ihrem Bruder ab? Gehen Sie ins Stadion des Rivalen mit?

"Ja, das machen wir schon, aber nicht immer. Fußball ist für uns etwas, das Spaß macht, was unsere Freizeit erweitert. Im Stadion denkt man an nichts anderes als an Fußball. Kein Fanatismus, aber eine große Begeisterung und Freude für den Sport. Damit hat man auch ein Fairplay gegeneinander. Ich habe nach dem 6:1 meinen Bruder nicht angerufen und 'Heheh' gesagt, sondern geschwiegen. Das man sich im Vorfeld hänselt, dass ich an Europacup-Abenden ein Leiberl angezogen habe und gefragt habe: 'Was machst du am Donnerstag?' – so etwas, ja natürlich. Aber immer mit dem Spaßfaktor. Ich kann auch nicht anders: Drei meiner Kinder sind schwere Rapid-Fans, da haben wir es auch lustig. Ich gehe hin und wieder mit Benno mit, er mit mir."

Warum haben Sie die Spieler auf Corona-Antikörper getestet – als einziger Klub in Österreich?

"Das hat mehrere Gründe. Der Antikörper-Test hat mittlerweile eine 96-prozentige Sicherheit und lässt erkennen, ob Spieler eine Infektion durchgemacht haben. Fälle, mit ganz leichtem Verlauf, die nachher Antikörper haben. In meiner Familie waren fünf Leute krank, meine Frau sogar sehr schwer krank – ich hatte nichts und habe mit dem Test gesehen, dass ich langfristig Antikörper habe und die Krankheit somit nicht mehr kriegen und weitergeben kann. Das ist im Spitzensport ganz entscheidend: Wenn die Austria zwei, drei Spieler gehabt hätte, was nicht der Fall war, die die Infektion durchgemacht haben, aber gesund geblieben sind, dann wären diese Spieler weder Überträger, noch könnten sie selbst angesteckt werden. Das heißt: Die hätte man nicht so streng testen müssen, die hätten jeden Zweikampf miteinander führen können – das war die Idee dahinter. Die Young Violets würden wir noch so testen, wenn die 2. Liga weiter gehen würde. Bei den Profis hatte es keiner, das heißt sie müssen aufpassen, keiner von ihnen hat einen Immunschutz dagegen."

Wann können Sie als Fan wieder in das Stadion gehen?

"Eigentlich bin ich ja ein Optimist, aber jetzt antworte ich als Realist: Im Jahr 2020 nicht mehr. Aus dem Grund: Irgendwann bekommen wir eine zweite kleine Welle, in Deutschland geht es schon los, die ist nicht vermeidbar. In den Sommermonaten wird es wieder ruhiger, viel Frischluftaufenthalt, keine Schulen, und dann wird es wieder einen Anstieg geben, wenn es kein Wunder gibt. Die Bundesliga kann sich darauf einstellen, auch im Herbst Geisterspiele zu haben. Im Stadion sehen wir uns im 21er-Jahr, heuer wäre völlig utopisch."

Ihr Bruder meinte, vielleicht heuer noch, aber mit der Hälfte der Fans?

"Ja, vielleicht. Aber daran glaube ich eher nicht. Eine realistische Einstellung hilft uns mehr."

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