"Der letzte Jugo": Nicht nur Balkan trauert um Osim

Ivica Osim wird immer in Erinnerung bleiben.
Ivica Osim wird immer in Erinnerung bleiben.picturedesk, imago images
Er war eine echte Fußball-Legende. Darüber lässt sich eigentlich nicht streiten. Umso größer ist nun der Schock nach dem Tod von Ivica Osim. 

Am Balkan nannten sie ihn liebevoll "Švabo". War es wegen seiner blonden Haare? Oder weil er die Brücke in den deutschsprachigen Raum schlug. Denn vor allem in Österreich ist Ivica Osim fest mit Sturm Graz verbunden. Zwei Mal gewann er mit ihnen den Meistertitel, drei Mal den Cup und drei Mal schaffte er auch den Einzug in die Champions League. Sowas haben die Steirer davor noch nie erlebt. 

Osim war aber mehr als "nur" Graz. Am Balkan wurde er schon lange als Legende gefeiert. So war er beispielsweise 1968 im All-Star-Team der Europameisterschaft. 

Der letzte Jugoslawe

Auch stach er mit seiner toleranten und integrativen Denkweise hervor. Eine der wohl schönsten und tragischsten Anekdoten von Osim: Im Mai 2002 wollte Sturm-Masseur Gerhard Wallner seine Hochzeit feiern. Beim Altar hätte Ivica Osim als Trauzeuge fungieren sollen. Jedoch ging in der Zeit auch die heiße Phase der WM in Südkorea und Japan los, zu welcher die Kicker-Legende ebenfalls eingeladen war. Was machte Osim? Er sagte seine Reise zur Weltmeisterschaft ab, um bei der Hochzeit dabei sein zu können.

Umso tragischer, dass nur drei Tage vor der Feier die Liebste von Wallner bei einem Autounfall ums Leben kam. Für Osim war es nur selbstverständlich, dass er seinem Freund in dieser schweren Zeit zur Seite stand. Er wurde vom Trauzeugen zum Trauergast.

Auf Instagram nimmt auch Rapper Pireli Abschied von "Ivo". So schrieb er in einer Story, dass er der "letzte Jugoslawe" war. Und damit hat er gar nicht so unrecht. Tatsächlich war Ivica Osim der letzte Trainer der jugoslawischen Nationalmannschaft. 1992 hätte er mit dem Team zur Europameisterschaft fahren sollen. Er selbst trat jedoch zurück – und zwar aufgrund des nationalen Konfliktes im Land. Und selbst da sorgte er in seiner Abschiedsrede für Gänsehaut. So sprach er den Krieg nie wirklich an, meinte lediglich: "Ihr wisst, dass ich in Sarajevo geboren wurde und ihr wisst, was dort gerade passiert". Jugoslawien wurde schließlich von der EM ausgeschlossen. 

Die Welt trauert um Osim

Gleichzeitig sprach er sich immer gegen Nationalismus aus. Er war immer der Überzeugung, dass Fußball diesen auch nicht fördern würde: "Ich glaube noch immer, dass die, die mit dem Fußball verbunden sind, egal welche Hautfarbe oder Religion sie haben, anders sind. Ich glaube, dass Fußball für sich selbst eine kleine Religion ist".

Es scheint aktuell so, als ob die ganze Welt um Osim trauern würde. Denn egal, wo er seine Stationen hatte, er hinterließ einen riesigen Fußabdruck. So zum Beispiel in Frankreich, in Griechenland oder auch in Japan. 

Am Ende blieb er aber wohl doch Graz am ehesten verbunden. Er meinte selbst, dass er die meiste Zeit in der steirischen Hauptstadt verbringen würde. Osim starb am am 1. Mai im Alter von 80 Jahren. Es war zudem der 113. Jahrestag des SK Sturm Graz. Mach's gut, Ivo. Wir werden dich nicht vergessen.

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