Der Lockdown-Plan – was öffnen soll, wo verschärft wird

Sebastian Kurz (VP) und Rudolf Anschober (Grüne) beraten intensiv erste Öffnungsschritte.
Sebastian Kurz (VP) und Rudolf Anschober (Grüne) beraten intensiv erste Öffnungsschritte.GEORG HOCHMUTH / APA / picturedesk.com
Am Montag steigt der große Corona-Gipfel im Kanzleramt. Erste sanfte Öffnungsschritte zeichnen sich ab, doch auch Verschärfungen sind notwendig.

Jetzt ist er da – der Fahrplan bis zu ersten sanften Öffnungsschritten in Österreich. Bis 7. Februar gilt noch der dritte harte Lockdown. Bereits am Montag (1.2.) will die Regierung – neben dem Einsatz des neuen Impfstoffs von Astra Zeneca – in einer Konferenz mit den Landeshauptleuten eine Strategie zum sanften Hochfahren des Landes festzurren. Auch ein Expertengremium und die Oppositionsparteien sollen gehört werden.

Schaumgebremstes Aufsperren

Kurz und Anschober wollen weiterhin äußerst vorsichtig agieren, um eine Explosion der Corona-Zahlen und eine drohende Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern. Was sich gemäß "Heute"-Recherchen aber jetzt abzeichnet:

Schulen auf: Die Pflichtschule soll nach den Semesterferien unter strengen Sicherheitsvorkehrungen (wöchentliche Tests, eventuell A/B-Teams) wieder zum Präsenzunterreicht zurückkehren.

➤ Handel öffnen: Volkswirtschaftlich am relevantesten ist die Öffnung des Handels – mit Kundenbeschränkungen und FFP2-Maskenpflicht. In diesem Sektor geht pro Lockdown-Woche eine gute Milliarde Euro verloren; viele Betriebe und Arbeitsplätze stehen daher bereits an der Kippe.

Haarschnitte ermöglichen: Noch nicht in Stein gemeißelt, aber laut "Heute"-Infos haben auch die körpernahen Dienstleistungen (Frisöre, Fußpfleger, Tätowierer) gute Chancen, aufgesperrt zu werden. Hier wird es dem Vernehmen nach in den Betrieben regelmäßige Corona-Tests geben – organisiert von den Unternehmen. Eine strenge FFP2-Maskenpflicht versteht sich von selbst.

Diskussion über Museen: Um sich nicht länger der Debatte um geöffnete Seilbahnen, aber geschlossene Kunststätten auszusetzen, könnte hier ebenfalls über ein Aufschließen mit Personenbeschränkungen und FFP2-Maske debattiert werden.

Fix zu bleibt weiter die Gastronomie. Auch für Hotels und Indoor-Freizeitstätten bleibt die Aussicht im Februar trüb.

Kurz: "Jeder Einzelne gefordert"

Dieses Konzept ist die von der Wirtschaft seit Wochen geforderte erste Perspektive. Bundeskanzler Sebastian Kurz (VP) drosselt aber gleichzeitig das Tempo: "Die Mutationen bremsen eine vollkommene Lockerung. Wir werden am Montag unter Berücksichtigung der Infektionslage sowie der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Situation mit den Landeshauptleuten über den Plan für die Zeit nach dem 8. Februar entscheiden. Einmal mehr wird dabei wieder die Verantwortung jedes Einzelnen im Land eine wichtige Rolle spielen."

Zahlen immer noch vierstellig

Wie ist die aktuelle Virus-Lage in Österreich? Stabil, aber nicht da, wo man eigentlich hinwollte. SP-Chefin Pamela Rendi-Wagner hat sich daher am Samstag gegen ein Ende des Lockdowns ausgesprochen. Die Anzahl der Neuinfektionen weist nach wie vor einen leichten Trend nach unten auf – am Samstag wurden 1.478 neue Positiv-Befunde bei den Behörden registriert. Eigentlich wollte man unter 700 pro Tag kommen. Ein möglicher Grund: Die infektiöseren Virus-Varianten, wie die Briten-Mutation, verbreiten sich in Österreich immer mehr und verunmöglichen ein Absinken der Zahlen auf einen dreistelligen Wert.

In puncto Mutation präsentiert sich das Land aber zweigeteilt:

Im Osten ist bereits davon auszugehen, dass sich der Anteil der des Briten-Virus an den Neuinfektionen im zweistelligen Prozentbereich befindet. Tendenz steigend.

Im Westen soll sich der Anteil noch im einstelligen Prozentbereich (Analysen in Tirol zeigen etwa rund 8 Prozent) bewegen.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober: "Am Montag werden wir noch einmal beraten, wie wir sehr vorsichtig und kontrolliert in ersten Bereichen Öffnungen schaffen können."

Auch Verschärfungen denkbar 

Wie gefährlich ist die Briten-Variante im Mix mit großzügigen Öffnungen? Antwort: Harakiri mit Anlauf. Großbritannien und Irland sahen sich Anfang Jänner mit einem starken exponentiellen Wachstum konfrontiert. Ähnliches beobachtet man nun in Portugal und Spanien. Die Regierung will mögliche Öffnungsschritte, die ab 8. Februar gesetzt werden könnten, daher nur unter lauter Begleitmusik ermöglichen. Tönt im Klartext so:

➤ Regelmäßiges Testen
➤ Mindestabstand von zwei Metern 
➤ Tragen von FFP2-Masken 

Im Raum stehen dem Vernehmen nach aber auch weitere Verschärfungen. So werden stärkere Einreiseregeln und Grenzkontrollen in Erwägung gezogen, um die Verbreitung der Mutationen aus dem Ausland noch stärker einzubremsen.    

Anschober: "Zeit gewinnen, impfen"

Laut Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) wird am Wochenende noch eine intensive Mutationsanalyse durchgeführt. Aber auch er sagt: "Jetzt braucht Österreich eine klare Perspektive. Am Montag werden wir gemeinsam mit den Experten noch einmal beraten, wie wir sehr vorsichtig und kontrolliert in ersten Bereichen Öffnungen schaffen können –ohne ein zu hohes Risiko einzugehen." Er setzt darauf, durch Vorsicht "Zeit zu gewinnen, damit parallel die Impfungen schrittweise umgesetzt werden können. Über 212.000 Impfungen sind bereits durchgeführt."

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