Teilweise fliegen hunderte ukrainische Drohnen pro Nacht auf Russland, zerstören Warenhäuser und Raffinerien, Putin reagiert mit Raketen auf die Ukraine, die Dutzende Zivilisten töten. Politologe Gerhard Mangott sieht darin keine Wende, aber eine "neue Phase", sagt er im Interview mit den "Salzburger Nachrichten".
Grundsätzlich lasse sich sagen, dass der Krieg an drei Fronten ausgetragen wird. Am Boden rückt die russische Armee sehr langsam und mit hohen Verlusten in der Region Donezk vor. In der Luft kann dafür die Tatsache ausgenutzt werden, dass die Ukraine kaum noch Abwehrmöglichkeiten gegen ballistische Raketen hat. "Und dann ist da die dritte Front, der Seekrieg. Der hat sich in den letzten Wochen intensiviert."
Luft- und Seekrieg seien aktuell auch die intensivsten Schauplätze. "Hier kann man nicht sagen, dass eine Seite die andere überragen würde. Es ist aber festzustellen, dass beide Seiten immer weniger auf das Leben von Zivilisten Rücksicht nehmen und zivile Ziele angreifen", so Mangott. "Es ist, als wäre eine neue, eskalierende Zerstörungswut ausgebrochen, wo es sehr stark gegen zivile Infrastruktur geht."
Russland nutze noch einen weiteren Umstand aus: Und zwar, dass die Ukraine kaum Abfangraketen hat. Diese sind Mangelware und wurden von den USA und Israel im Iran-Krieg im großen Stil verbraucht. Russland hat deswegen in den letzten Wochen so viele ballistische Raketen abgefeuert wie im gesamten Krieg davor nicht.
Am Boden werde sich nicht viel tun, die Luftangriffe hingegen werden im Herbst und Winter wohl noch intensiver werden, befürchtet Mangott. Ein Waffenstillstand sei deshalb nicht abzusehen.