Der bitterste Tag der Vereinsgeschichte hinterließ auch an der Tür zur Gästekabine Spuren, im dortigen Glas war ein tiefer Riss zu sehen. Nach dem ersten Abstieg aus der Bundesliga herrschte beim VfL Wolfsburg Wut und Frust. "Wenn man absteigt, tut es weh", sagte Trainer Dieter Hecking bei "Sat.1". "Die Enttäuschung ist auch bei mir groß, weil wir hatten eine sehr intensive Zeit in den letzten neun bis zehn Wochen. Wir haben alles versucht und auch die Spieler haben alles investiert, um den Klassenerhalt zu schaffen", meinte der Coach.
Letztlich hänge "es eben an einer einzigen Situation, ob du drinbleibst oder absteigst. Dann hat das Spiel eine Wendung genommen, die wir nicht haben wollten", führte Hecking aus und spielte damit auf die frühe Gelb-Rote Karte von Joakim Maehle (14.) an. Die zweite Gelbe Karte sei zwar "unstrittig". Bei der ersten Verwarnung monierte der 61-Jährige allerdings fehlendes "Fingerspitzengefühl" von Schiedsrichter Felix Zwayer.
Er habe "eine komplett andere Bewertung" dieser Szene, so Hecking. Maehle werde "dreimal attackiert, dann kommen drei Mann auf ihn zu und wenn das keine Tätlichkeit ist von Bilbija, dann können wir auch aufhören. Das können wir auch monieren, aber es ist müßig." Das Spiel sei "entschieden" und man müsse Paderborn nach dem 1:2 nach Verlängerung zum Aufstieg gratulieren.
Was der erste Absturz in die Zweitklassigkeit nach 29 Jahren für seine eigene Zukunft bedeutet, ließ der Coach offen. "Bei mir ist auch erstmal die Enttäuschung, dass wir es nicht geschafft haben. Man wird es die nächsten ein, zwei Tage mal sacken lassen müssen und dann sicherlich mal sprechen", so Hecking. Man müsse nun erstmal "mit der Enttäuschung klarkommen und dann wieder aufstehen", sagte Aufsichtsratsmitglied Diego Benaglio. In der Kabine seien "Tränen" geflossen. Ein zuletzt kolportierter möglicher Wechsel von LASK-Meistertrainer Didi Kühbauer zu den "Wölfen" dürfte nach dem Abstieg vom Tisch sein. Hecking soll derweil abseits der Trainerbank beim Klub behalten werden – als Berater oder in einer Führungsrolle.
Klar ist schon jetzt: Der von VW finanzierte Klub muss in der 2. Bundesliga den Gürtel deutlich enger schnallen, ein Kader-Umbruch steht bevor. VW soll den jährlichen Etat von 80 auf 55 Millionen Euro senken, berichtet die "Bild", diese Summe gelte aber ohnehin für den gesamten Klub inklusive Frauen-Team und Nachwuchs.
Einschnitte gibt es auch bei den Spielern. Alle Kicker sollen Verträge für die zweithöchste Liga Deutschlands haben, ihr Gehalt soll allerdings um 35 Prozent sinken. Das betrifft dann auch ÖFB-Legionär Patrick Wimmer, der beide Relegationsspiele verletzt auslassen musste.
Wimmer soll auch aufgrund der Gehaltskürzungen kaum zu halten sein, wird sich wohl anderweitig umschauen, ähnliches gilt für Routinier Christian Eriksen, sowie Mohamed Amoura, Kamil Grabara und Lovro Majer.