Verbotene Psychotricks

Deutsche Bundesregierung will gegen Temu vorgehen

Für den Billigst-Marktplatz Temu wird’s in Europa ungemütlich. Jetzt wirft sogar die deutsche Regierung den Chinesen Verstöße gegen EU-Recht vor.

Newsdesk Heute
Deutsche Bundesregierung will gegen Temu vorgehen
Manipulatives Design ist seit Februar in der EU ausdrücklich verboten.
Heute.at

Bei Temu sehen Europas Verbraucherschützer mittlerweile tiefrot. Erst Ende März hat die deutsche Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) den Online-Marktplatz abgemahnt. Temu werden unter anderem nicht nachvollziehbare Rabatte, Greenwashing und Psychotricks vorgeworfen, mit denen die meist jungen Konsumenten zum Kauf gedrängt werden sollen.

Ebenfalls angeprangert werden die Produktbewertungen, da Temu entgegen den EU-Vorschriften nur unzureichend darüber informiert, wie deren Echtheit gewährleistet wird. Auch Angaben über die Identität von Produktanbietern würden fehlen, so die Experten.

Konsumentenschützer prüfen Klage

"In Deutschland und der Europäischen Union gelten Gesetze zum Schutz der Verbraucher:innen, an die sich alle Unternehmen halten müssen. Die Plattform Temu verunsichert und übervorteilt Verbraucher:innen mit willkürlich erscheinenden Rabatten, fragwürdigen Bewertungen und manipulativen Designs", ärgert sich vzbv-Vorständin Ramona Pop.

Das müsse aufhören, Verbraucher:innen müssten, so Pop, vor derartigen Geschäftspraktiken geschützt werden. Demnächst will der vzbv über eine Klage gegen Temu entscheiden.

Shopping als Glücksspiel

Am Montag erhielt der Dachverband der Deutschen Verbraucherzentralen Rückendeckung aus der Politik. "Spiele, Glücksräder, Rabatt-Countdowns etc." würden unglaubliche Rabatte und Schnäppchen suggerieren und ständig neue Kaufanreize setzen, zeigte sich Verbraucherschutz-Staatssekretärin Christiane Rohleder im Talk mit der Deutschen Presse-Agentur empört.

Dabei sind derartige manipulative Praktiken laut Digital Services Act seit 17. Februar 2024 in der EU ausdrücklich verboten. Es sei wichtig, so Rohleder, "dass diese Regelungen jetzt auch durchgesetzt werden".

"Fragwürdige Geschäftspraktiken"

Auch in Österreich hat die Bundesregierung Temu auf dem Radar. Bereits im Vorjahr wurde auf der von Finanzministerium und dem Verein Zentrum für sichere Informationstechnologie (A-SIT) betriebenen Plattform onlinesicherheit.at eindringlich vor Temu und seinen "fragwürdigen Geschäftspraktiken" gewarnt.

Die Rede ist hier von "teils minderwertiger, völlig unbrauchbarer Ware", Verstößen gegen Widerrufsrecht bei Einkäufen in Online-Shops und einer Flut an Werbe-Mails nach Registrierung. Es bliebe nichts unversucht, um Nutzer und Nutzerinnen ständig zu weiteren Käufen zu bewegen.

Produkte unsicher bis gefährlich

Ausdrücklich wird vor elektronischen Produkten gewarnt, da "die für eine sichere Nutzung notwendige Überprüfung nicht gewährleistet ist". Zur Vorsicht wird zudem bei Kleidungsstücken sowie bei Produkten geraten, die mit Nahrungsmitteln in Kontakt kommen, "da eine hohe Schadstoffbelastung nicht ausgeschlossen werden kann".

Fazit von onlinesicherheit.at: "Bei Temu handelt es sich, unseres Erachtens nach, um einen neuen Anbieter, der altbekannten Mustern folgt: Durch aufwändiges Social Media Marketing über Plattformen wie TikTok, Instagram, Facebook und Co in Kombination mit unfassbar günstigen Preisen, sollen möglichst viele Menschen zu einem Kauf auf der Plattform bewegt werden. Auf der Strecke bleiben dabei die Qualität, konsumentenschutzrechtliche Vorgaben und Zufriedenheit der Kundschaft – von ethischen Grundsätzen oder Umweltschutzgedanken ganz zu schweigen."

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    Melanie Seidl

    Auf den Punkt gebracht

    • Die deutsche Bundesregierung plant Maßnahmen gegen den Online-Marktplatz Temu, und auch europäische Verbraucherschützer erhöhen den Druck, da Temu psychologische Tricks und fragwürdige Geschäftspraktiken einsetzt, um Konsumenten zum Kauf zu bewegen
    • Die Regierung und Verbraucherschützer in Deutschland und Österreich warnen vor minderwertigen Produkten, Verstößen gegen Verbraucherschutzgesetze und unsicheren Artikeln auf der Plattform
    red
    Akt.