Der deutsche Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) hat mehrere seiner Reden und Gastbeiträge für Medien von einer Künstlichen Intelligenz schreiben lassen. Die Wochenzeitung "Die Zeit" deckte auf, dass mindestens eine Bundestagsrede sowie Beiträge für das Handelsblatt und die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung maßgeblich mit KI verfasst wurden.
Die Zeit analysierte Wildbergers Texte mit der Software "Pangram", die als bestes Werkzeug zur Erkennung von KI-generierten Texten gilt. Besonders auffällig waren typische KI-Stilmittel wie Gedankenstriche, Dreiklänge und inhaltsleere Floskeln.
Wie heise.de unter Berufung auf "Die Zeit" berichtet, bestätigte ein Ministeriumssprecher den KI-Einsatz: "Die genannten Texte wurden mit Unterstützung von KI erarbeitet." Von insgesamt 30 untersuchten Reden stammt eine komplett aus der KI, bei sieben weiteren wirkte ein Chatbot mit - darunter vier Bundestagsreden.
Pikant: Gegenüber den Redaktionen von Handelsblatt und FAS wurde der KI-Einsatz nicht offengelegt. Das Ministerium begründete dies damit, dass Wildberger KI als "unterstützendes Arbeitsmittel" betrachte, über dessen Nutzung man nicht anders Rechenschaft ablege als über Textverarbeitung oder Recherche-Tools.
Das Handelsblatt hat den fraglichen Gastbeitrag mittlerweile offline genommen und überprüft ihn nun selbst. Die Frankfurter Allgemeine hingegen hat interne Regeln, die rein KI-generierte Texte verbieten - der Wildberger-Text war zum Zeitpunkt der Enthüllung noch online.
Wildberger selbst verteidigt sein Vorgehen: Er nutze KI, "weil er überzeugt ist, dass Deutschland den produktiven und zugleich maßvollen Umgang mit KI schnell lernen muss". Das gelte auch für die Politik. Alle Texte würden letztlich von Menschen geprüft und validiert.
Dass Minister ihre Reden nicht selbst schreiben, ist üblich. Auffällig an den aktuellen Vorgängen ist jedoch die geringe Qualität der Texte mit vielen Floskeln und schiefen Sprachbildern - was offenbar weder im Ministerium noch in den Redaktionen auffiel.