Deutschland bezieht derzeit rund 20 Prozent seines Stroms aus Kohlekraftwerken und ist damit der größte Kohlenutzer Europas. Bis spätestens 2038 – für Braunkohle sogar schon bis 2030 – soll damit Schluss sein. Mehr als die Hälfte des Stroms stammt inzwischen aus erneuerbaren Quellen wie Wind und Sonne.
Als Ersatz für Kohle setzt Deutschland vor allem auf Gaskraftwerke, die etwa halb so viel CO₂ ausstoßen. Doch nach dem Anstieg der weltweiten Gaspreise infolge der geopolitischen Spannungen werden die Rufe nach einer Verlängerung der Kohlenutzung lauter.
Während andere Länder wie Japan und Italien bereits auf eine flexiblere Kohlepolitik setzen, wächst auch in Deutschland der Druck. Bundeskanzler Friedrich Merz betonte im März: "Wir müssen dieses Land mit Strom versorgen. Ich bin nicht bereit, den Kern unserer Industrie zu gefährden, nur weil wir Ausstiegspläne beschlossen haben, die unrealistisch geworden sind."
Deutschland verfügt über große Braunkohlereserven und ist in diesem Bereich unabhängig. Im Gegensatz dazu müssen 95 Prozent des Erdgases importiert werden. Energieunternehmen wie LEAG begrüßen daher, dass die Bundesregierung Versorgungssicherheit verstärkt ins Zentrum ihrer Politik rückt. Umweltforscher warnen hingegen vor den Folgen für das Klima und fordern einen konsequenten Ausbau der erneuerbaren Energien.
Politisch gibt es Streit: Die SPD warnt vor einer Lockerung des Kohleausstiegs, während CDU-Vertreter eine Neujustierung fordern. Im August wird die Regierung einen Bericht zum Stand des Kohleausstiegs vorlegen. Ursprünglich sollte dieser prüfen, ob der Ausstieg beschleunigt werden kann – inzwischen könnte er auch das Gegenteil bewirken.