Österreich hat seinen Energie-Vorrat aus eigener Produktion an diesem Wochenende aufgebraucht. Ab dem 31. Mai lebt das Land rein rechnerisch von Energieimporten aus dem Ausland. Das ergibt eine Studie der Österreichischen Energieagentur.
Die Zahlen zeigen, wie stark Österreich noch immer von anderen Ländern abhängig ist. Nur 41 Prozent des gesamten Energiebedarfs werden im Inland erzeugt. Die restlichen 59 Prozent müssen importiert werden.

Besonders groß ist die Abhängigkeit bei fossilen Energieträgern. Mehr als 90 Prozent des benötigten Gases werden eingeführt, bei Öl sind es 95 Prozent, bei Kohle sogar 100 Prozent. Die Importe stammen laut Energieagentur vielfach aus Ländern außerhalb Europas.
Die Folgen treffen auch die Geldbörse. Im Schnitt der vergangenen zehn Jahre gab Österreich jährlich rund zehn Milliarden Euro netto für Energieimporte aus. Im Krisenjahr 2022 waren es sogar 20 Milliarden Euro. Nach acht Milliarden Euro im Jahr 2025 wird für 2026 wegen des Iran-Kriegs wieder mit einem deutlichen Anstieg gerechnet.
"Die Abhängigkeit von Energieimporten kostet Österreich jedes Jahr Milliarden. Gleichzeitig zeigen erneuerbare Energien, dass wir Wertschöpfung im Land halten können. Sie sind ein zentraler Faktor für wirtschaftliche Stabilität und Versorgungssicherheit", sagt Franz Angerer, Geschäftsführer der Österreichischen Energieagentur.
Vor allem der Verkehr gilt als großer Treiber der Importabhängigkeit. Im Vorjahr wurden 104 Terawattstunden Ölprodukte verbraucht, davon entfielen 85 Prozent auf den Verkehrssektor.
"Gerade im Verkehr spüren wir diese Abhängigkeit unmittelbar – etwa an der Tankstelle. Mit andauernden geopolitischen Spannungen kann auch die Versorgungssicherheit unter Druck geraten", sagt Christoph Dolna-Gruber von der Österreichischen Energieagentur.
Als wichtigen Hebel sieht die Energieagentur die Elektrifizierung des Verkehrs. Elektroautos würden deutlich effizienter mit Energie umgehen und könnten helfen, die Abhängigkeit von Ölimporten zu reduzieren.
Gleichzeitig wächst das Interesse an E-Autos. Bis Ende April 2026 wurden in Österreich 24.469 Elektro-Pkw neu zugelassen. Das entspricht 23,4 Prozent aller Neuzulassungen und einem Plus von 23,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Für die Experten steht fest: Österreich braucht langfristig einen umfassenden Plan zur Elektrifizierung von Verkehr, Industrie und Wärmesektor, um die Abhängigkeit von fossilen Importen zu verringern.