Ein unscheinbarer Wetter-Beitrag auf X hat am Freitag eine unglaubliche Welle an kruden Verschwörungstheorien losgetreten. "Ganz Deutschland und Benelux wolkenlos heute Nachmittag", schrieb Kachelmannwetter-Experte Fabian Ruhnau aus Bochum zu einem entsprechenden Satellitenbild: "Gibt es auch nicht ganz so oft."
Mehr brauchte es nicht. Der Beitrag des Chef-Meteorologen ging – offenbar in einschlägigen Kreisen – viral. Ein kleiner Auszug: "Chemtrail-Piloten haben zum 1. Mai wohl auch frei", schrieb ein User. "Unser Himmel trotzdem versprüht", stimmte ein anderer in diese Verschwörungserzählung ein und gelobte, das "als Kanzler Tag eins auf die Agenda" zu setzen.
Ruhnau musste sich tags darauf über die teils absurden Kommentare doch sehr wundern: "Was ist bitte mit diesem Posting passiert?", fragt er. Sein beklemmendes Fazit: "Der Schwurbel regiert mehr und mehr dieses soziale Netzwerk hier."
Tatsächlich ist an der Chemtrail-Verschwörung absolut nichts dran. Es gibt keinerlei Belege, dass Flugzeuge irgendwelche Chemikalien versprühen und ihre Kondensstreifen (engl. "contrail") etwas anderes sind als Wasserdampf bzw. daraus entstehende Eiskristalle.
Auch der österreichische Meteorologe Marcus Wadsak hatte sich diesem hartnäckigen Mythos vor wenigen Tagen angenommen. "Es wurde schon vielfach geklärt. In den USA hat ein Präsident das mal klargestellt, dass dem nicht so ist. Selbst in Österreich, im Parlament, gab es dazu mal eine Anfrage an den damaligen Verkehrsminister Norbert Hofer", erinnert der Wetter-Experte.
Das war 2018, eingebracht wurde die Anfrage von den Grünen. Darin wurde der langjährige FPÖ-Politiker mit seinen eigenen Aussagen zu Chemtrails aus früheren blauen Anfragen konfrontiert. "Als ParlamentarierInnen sind wir besorgt, dass öffentliche Gelder für Verschwörungstheorien verschwendet werden", so die Begründung der Ökopartei damals.
Die Antwort des langjährigen FPÖ-Politikers? Er handelte alle Punkte mit einer kurzen, aber definitiven Feststellung ab: "Nach mir bekannten Informationen haben mittlerweile durchgeführte wissenschaftliche Überprüfungen keinen Hinweis auf die Ausbringung von gefährdenden Chemikalien in die Atmosphäre ergeben."