Im "Hagedorn Talk" bei "Sky" wurde Stargast Matthias Sammer von Moderator Riccardo Basile unter anderem über die Unterschiede zwischen Bayern-Meistertrainer Vincent Kompany und Nationalteam-Trainer Julian Nagelsmann befragt. Sammer, der als DFB-Sportdirektor (2006 bis 2012) und Bayern-Sportvorstand (2012 bis 2016) tätig gewesen war, nahm sich dabei kein Blatt vor den Mund.
Auf die konkrete Nachfrage, was Nagelsmann von Kompany lernen könne, sagte Sammer: "Ja, also erst einmal die großen Linien: All meine Spieler – egal wen – verteidige ich nach außen hin, als gäbe es kein Morgen. Darüber baust du Vertrauen auf. Und natürlich in der täglichen Arbeit – deshalb kann man das aber nur bedingt vergleichen. Vincent Kompany hat seine Spieler täglich, und Julian hat sie in großen Abständen. Und er muss natürlich oftmals – und ich glaube, dass es bei ihm der Fall ist – durch gewisse Aussagen, durch gewisse Reizpunkte etwas auslösen, also eine Reaktion hervorrufen. Nur glaube ich, dass das nur bedingt der richtige Weg ist."
Sammer kritisierte in diesem Zusammenhang Nagelsmann, weil er öffentlich erzählte, dass seine Ehefrau Lena ihn bestärkte, sich bei Stuttgart-Stürmer Deniz Undav zu entschuldigen. Zuvor hatte sich Nagelsmann trotz Undavs Siegestor beim 2:1-Erfolg über Ghana nach Spielende negativ über den Torjäger geäußert.
Sammer: "Auch das mit seiner Ehefrau ist so ein Schmankerl, Lena ins Spiel zu bringen, um zu sagen: 'Mensch, die hat mich darauf hingewiesen.' Das ist so. Nur, dass das Thema Undav so kritisch gesehen wurde, dass die Leute jetzt möglicherweise diskutieren: Jetzt braucht er schon seine Ehefrau für die Lösung. Das macht ihn auf der einen Seite sympathisch, auf der anderen Seite – hochprofessionell betrachtet – würde ich sagen: Julian, das gehört hier nicht her."
Vor Sammer hatte sich auch schon Tormann-Titan Oliver Kahn Nagelsmann zur Brust genommen, kritisierte seinen Führungsstil und seinen Fokus auf Taktik und Struktur.
"Nagelsmann kommt nicht so stark über Mentalität, er kommt sehr stark über das System, über klare Rollenverteilung. Das ist auch kein Leistungsprinzip. Bei ihm spielen die richtigen Spieler, nicht die besten Spieler. Das ist sein Ansatz. Es ist schwierig, die Spieler so auf deine Seite zu bekommen."
Dann legte Kahn noch nach: "Vorher alles in Schutt und Asche zu legen, davon bin ich kein großer Fan. Eine WM wird nicht so sehr über System entschieden, sondern über Mentalität und einen gewissen Geist in der Mannschaft."