Beim 2:2 in Hartberg ließ Rapid im Meisterrenen wieder Punkte liegen. Trotz fast 70 Prozent Ballbesitz und 19 Torschüssen reichte es nicht zu einem Sieg. Ein Grund: Die mangelnde Trefferausbeute der Stürmer. Mit fünf Toren ist Ercan Kara, der meist als "Joker" kommt, der aktuell beste Rapid-Schütze in der Meisterschaft. Dahinter folgen Mittelfeldspieler Seidl und Verteidiger Bolla mit je vier Toren. Der vor der Saison hochgelobte Antiste hält bei zwei Treffern.
Klub-Ikone Hans Krankl hat eine klare Meinung dazu. "Wenn dein bester Mittelstürmer fünf Tore schießt, braucht man nicht mehr viel zu sagen. Das ist ein Armutszeugnis", sagte er.
Der "Goleador" hat für Rapid in seiner aktiven Karriere 333 Tore erzielt. 1978 holte er mit insgesamt 41 Volltreffern Europas "Goldenen Schuh".
"Es ist aktuell nicht zu erwarten, dass der Klub so um den Titel mitspielt", meint er.
Peter Pacult, Rapids letzter Meistermacher als Trainer und legendärer Sturmpartner Krankls im Europacup-Finalteam 1985, ist gleicher Meinung.
"Hans hat die Torjäger-Qualitäten der Hütteldorfer bemängelt. Völlig zu Recht. "Wenn dein bester Stürmer nach 27 Runden bei fünf Toren hält, stimmt was nicht, kannst du nicht um Titel mitspielen", meint der "Heute"-Experte.
Verantwortlich dafür sieht Pacult auch Rapid-Sportchef Markus Katzer.
"Er hat diesen Kader zusammengestellt. Er hat für die Offensive Spieler geholt, die gut sind, die talent haben, die zuvor aber nicht für ihre besonders große Torgefährlichkeit bekannt waren."
Im Titelrennen sieht Pacult daher Rapid im Hintertreffen, hat Sturm, den LASK und Salzburg am Zettel – mit einem leichten Favoriten LASK.
"Wenn die Linzer am Mittwoch in Graz bei Sturm gewinnen, sind sie Erster und die Gejagten. Diese Rolle werden sie annehmen. Der Kader ist gut besetzt, hat viel Erfahrung, viel Potenzial."