Durch ein spätes Tor von Ercan Kara rettete Rapid im 349. Wiener Derby bei der Austria einen Punkt, bleibt damit halbwegs im Rennen um den Meistertitel. Der Torschütze war es auch, der im vorletzten Duell mit dem Stadtrivalen seine Mitspieler mit einer üblichen Brandrede in der Kabine heiß gemacht hatte. Vor dem jüngsten Spiel am Sonntag übernahm diese Rolle aber nicht wie üblich ein Spieler oder ein Trainer – sondern der Chef der Ultras.
Auf Englisch versuchte er die Mannschaft lautstark auf das Derby einzuschwören. "I'm talking about emotions, I want to see emotions from you guys" ("Ich spreche von Emotionen, ich will Emotionen von euch sehen"), schmetterte er den Spielern und Betreuern entgegen, dazu gab es bengalische Feuer. Die Aktion war mit der Klubspitze wohl abgesprochen, ein Video davon wurde auf die Social-Media-Kanäle des Vereins gestellt. Nicht alle Fans der Hütteldorfer finden das gut, wie ein Blick in die Leser-Foren zeigt.
"Das ist der endgültige Niedergang meines Herzensvereins", schreibt ein Leser. "Das ist die wahre Vereinsführung des Klubs, gute Nacht Rapid", meint ein anderer. Oder: "Eine Ansprache der Ultras? Wie verrückt ist das denn?"
"Das gibt es nur bei Rapid, unglaublich. Alleine die Körpersprache der Spieler sagt schon alles aus", ärgert sich ein weiterer Fan. "Was hat die Führung aus diesem Verein gemacht", fragt ein anderer.
Nächsten Sonntag gastiert Rapid in Hartberg, am Mittwoch darauf kommen die Steirer nach Hütteldorf. Da darf auch die zuletzt ausgesperrt gewesene organisierte Fanszene wieder in das Allianz Stadion, kann der "Block West" die Mannschaft wieder im Spiel anfeuern, nicht nur im Training.
Coach Hoff Thorup glaubt noch an den Titel. "In der Tabelle wird sich noch einiges ändern", meint er. "Wir werden immer unser Bestes geben und schauen, was möglich ist. Wenn ich auf die Gruppe schaue, dann kann jedes Team jeden schlagen. Es gibt kein Team, das um vieles besser als die anderen ist und heraussticht."