DFB: Österreich kein Thema, nur Lahms Skandal-Buch

Am Freitag spielt Deutschland in der EM-Qualifikation gegen Österreich. Davon merkt man bei unseren Nachbarn wegen eines Buchs von DFB-Kapitän Philipp Lahm allerdings wenig.

Blickt man in die fußballverrückte Medienlandschaft der Deutschen, ist das Match gegen Österreich nur eine Randnotiz. Fußball-Deutschland ist in heller Aufruhr über die Autobiographie von DFB-Kapitän Philipp Lahm, die er für sich schreiben ließ. In "Der feine Unterschied" liefert der Bayern-Spieler Einblicke in seinen persönlichen Werdegang und den Profi-Fußball. Aufreger sind allerdings jene Passagen, in denen der 27-Jährige über Ex-Trainer wie Jürgen Klinsmann und Rudi Völler herzieht.
Unter Völler wurde Playstation gezockt

"Mir kommt das so vor, als würden ein paar Kumpels miteinander in die Ferien fahren, um Fußball zu spielen", beschreibt Lahm das Training unter dem ehemaligen DFB-Coach Völler während der EM 2004. Dieses soll außerdem nur eine Stunde pro Tag gedauert haben, danach ruhten sich die Spieler in ihren Zimmern aus. Auf Taktikbesprechungen und Videoanalysen soll Völler verzichtet haben. "Ich glaube, dass damals viele Playstations geglüht haben." Deutschland schied beim EM-Turnier in Portugal bereits in der Vorrunde aus.
Über Klinsmann, der die DFB-Elf bei der Heim-WM zu Platz drei führte, ist folgendes zu lesen: "Bei Klinsmann trainierten wir fast nur Fitness. Taktische Belange kamen zu kurz. Wir Spieler mussten uns selbstständig zusammentun, um vor dem Spiel zu besprechen, wie wir überhaupt spielen wollten. Nach sechs oder acht Wochen wussten bereits alle Spieler, dass es mit Klinsmann nicht gehen würde."
"Van Gaal "hält viel von Disziplin, und sich selbst"

Aber auch seine ehemaligen Klub-Trainer bei Bayern München bekommen ihr Fett weg. An Louis van Gaal bekritelte Lahm, dass der Niederländer trotz Misserfolgen stur sein System durchzog: "Er hält viel von Disziplin, und er hält viel von sich selbst. Die Zeit der Trainer, die mit ihren Spielern nur reden, um ihnen Befehle zu erteilen, ist vorbei." Auch an Felix Magath lässt er kein gutes Haar, sein Umgang mit den Kickern hätte zu einem "Ermüdungsbruch zwischen Trainer und Mannschaft" geführt.
Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Vor allem Völler tobte: "Interna aus dem DFB-Team-Kreis öffentlich zu machen, zeigt, dass er keinen Funken Anstand hat. Aber mich wundert bei Lahm nichts mehr. Ein Kapitän, der sich durch eine Intrige zum Kapitän macht und anschließend Interna ausplaudert – da sage ich nur: Kompliment."
Zum Rapport beim DFB

Vom DFB wurde Lahm bereits abgemahnt, er darf vorerst Kapitän der National-Elf bleiben. Außerdem muss der Außenverteidiger noch vor dem Mannschaftsrat sowie Teamchef Joachim Löw und Manager Oliver Bierhoff Rede und Antwort stehen. In einer Presseaussendung entschuldigte sich Lahm zudem: "Ich wollte Rudi Völler, Jürgen Klinsmann und andere Personen selbstverständlich nicht persönlich treffen oder gar beleidigen. Das tut mir leid. Für Missverständnisse, die auf diese Weise entstanden sind, entschuldige ich mich hiermit bei allen Beteiligten."

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