Gesundheit

Jetzt kommt die Corona-Impfung zum Schlucken

Israel startet als erste Nation eine Studie, in der eine Schluckimpfung gegen das Coronavirus getestet wird.

Sabine Primes
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Einfach, schnell, wirksam - das soll die Corona-Impfung der Zukunft sein. 
Einfach, schnell, wirksam - das soll die Corona-Impfung der Zukunft sein. 
Getty Images

Oraler Impfstoff, statt Jauckerl: Der Prüfungsausschuss des Ichilov-Krankenhauses, der bedeutendsten Klinik in Israel, hat nun grünes Licht für den Start einer Studie, in der eine Schluckimpfung gegen das Coronavirus getestet werden soll, gegeben. Mehrere tausend Kapseln, die für die Studie benötigt werden, habe das Unternehmen Oravax Medical bereits hergestellt, wie das Magazin Forbes berichtet. Jetzt warte man nur noch auf die Genehmigung des Gesundheitsministeriums.

Pille als Auffrischungsimpfung

In Israel werden die weltweit ersten Studienteilnehmer eventuell noch diesen Sommer eine Schluckimpfung gegen Sars-CoV-2 bekommen. Der Impfstoff, der nun getestet werden soll, basiert auf der patentgeschützten oralen Verabreichungstechnologie von Oramed und einer neuartigen Impfstofftechnologie von Premas Biotech. Laut einer Mitteilung des Unternehmens Oramed handelt es sich dabei um einen virusähnlichen Dreifach-Antigen-Impfstoff, der sich gegen drei Struktur-Proteine richtet. Zum Vergleich: Die mRNA-Impfstoffe von BioNTech/Pfizer und Moderna zielen dagegen auf das Spike-Proteine des Virus ab.

Laut eigenen Angaben würde er auch gegen neue Mutationen des Coronavirus schützen. Dass der Impfstoff einfach geschluckt werden kann, mache eine Verteilung deutlich einfacher. Vor allem dann, wenn die Impfung - ähnlich der Grippe-Impfung - jährlich aufgefrischt werden muss. Zudem könne der Impfstoff bei Kühlschranktemperaturen versandt und sogar bei Raumtemperatur gelagert werden, "was es logistisch einfacher macht, ihn überall auf der Welt zu beschaffen“, wird Oramed-CEO, Nadav Kidron, in der "Jerusalem Post" zitiert.

Eine Pilotstudie mit Tieren sei bereits abgeschlossen worden. Diese habe gezeigt, dass der Impfstoff die Entwicklung von Antikörpern gegen das Virus fördert. Die erste und zweite Phase der anstehenden Studie würde darin bestehen, die Schluckimpfung an 24 Probanden zu testen, die bisher keine andere Impfung bekommen haben. Die erste Gruppe solle eine Kapsel und die zweite zwei Kapseln bekommen, wird CEO Kidron in der "Jerusalem Post" zitiert. Eine Placebo-Gruppe gebe es nicht, weil das Ziel der ersten Phase sei, die Anzahl der Antikörper und andere Indikatoren einer Immunreaktion zu messen.

Notzulassung, bei Erfolg

Derzeit geht das Unternehmen davon aus, dass die ersten beiden Phasen von Beginn der Rekrutierung etwa sechs Wochen dauern werden. Sollten die Studienergebnisse erfolgreich sein, plant Kidron laut der "Jerusalem Post" auf beschleunigtem Weg eine Notzulassung für das Vakzin zu beantragen – zuerst in Regionen wie Südamerika, in denen die Anzahl an Neuinfektionen hoch und die Impfraten niedrig sind.