Die rasante Preisrally bei Silber fand am Freitag ein abruptes Ende: Der Silberpreis stürzte um mehr als zehn Prozent ab. Zuvor hatte sich der Wert innerhalb eines Jahres fast verdoppelt. In der Schweiz ist ein regelrechter Run auf Edelmetalle ausgebrochen.
"Die Leute kaufen Silber, als gäbe es kein Morgen mehr. In 15 Jahren habe ich so etwas noch nie erlebt", schildert Christian Brenner, Chef von Philoro Schweiz, laut "20 Minuten". Der Markt für Silber erlebt derzeit außergewöhnliche Zeiten.
Im Jänner schnellte der Umsatz beim Edelmetallhändler Philoro im Vergleich zum Vorjahr um sagenhafte 374,3 Prozent in die Höhe. Die Zahl der Bestellungen hat sich sogar um 495,5 Prozent erhöht. Doch: Es wird immer schwieriger, tatsächlich Silber zu bekommen.
Ein Leser erzählt gegenüber "20 Minuten", dass er eigentlich Silber kaufen wollte – aber bei mehreren Händlern bekam er nur zu hören: "kein Angebot mehr". Stehen die Banken jetzt tatsächlich ohne Silber da?
Ganz so dramatisch ist es laut dem Bericht nicht. Bei der Berner Kantonalbank etwa kann man, dank vorausschauender Planung, weiterhin Gold und Silber erwerben. Aber: "Die Nachfrage ist sehr hoch und eine künftige Knappheit kann nicht ausgeschlossen werden", warnt ein Sprecher.
Auch bei Raiffeisen Schweiz bleibt der Kauf von physischem Gold und Silber grundsätzlich möglich. Allerdings kann es vorkommen, dass einzelne Stückelungen vorübergehend nicht verfügbar sind. "Edelmetall ist ausreichend vorhanden, es kann aber zu kleineren Wartezeiten kommen", versichert ein Sprecher. Das Ziel: Die gängigen Stückelungen sollen so rasch wie möglich wieder voll lieferbar sein.
Die Luzerner Kantonalbank spricht ebenfalls von möglichen Wartezeiten – allerdings nur bei sehr großen Silberkäufen. Bei der Zürcher Kantonalbank ist der Ankauf nach wie vor möglich.
"Unser Unternehmen ist wegen des Ansturms derzeit in allen Bereichen stark gefordert", erklärt auch Philoro-Chef Brenner. Silber-Anlageprodukte sind beim Händler momentan nur eingeschränkt erhältlich. "Philoro erhält jedoch laufend neue Ware und nimmt entsprechend der Verfügbarkeiten Bestellungen entgegen. Es gibt aktuell einen Hinweis auf längere Lieferzeiten."
Wie das Portal "Inside Paradeplatz" berichtet, war beim Edelmetallhändler Degussa das Lager bereits letzte Woche leer. Barren waren dort nicht mehr zu bekommen. Auch andere Händler erleben einen wahren Ansturm auf ihre Silbervorräte.
Sowohl Silber als auch Gold profitieren derzeit von ihrem Ruf als "sicherer Hafen" – also als Schutz in unsicheren Zeiten –, von niedrigen Zinsen und hohen Staatsschulden. Doch beim Silber kommt laut Brenner von Philoro noch ein weiterer Preistreiber dazu: das knappe Angebot. Die Lagerbestände sinken, es gibt Exportkontrollen und die Nachfrage aus der Solarindustrie und der Elektromobilität ist enorm – 55 bis 60 Prozent des weltweiten Silbers fließen in die Industrie. Weil der Silbermarkt laut Silver Institute nun schon das fünfte Jahr in Folge mehr Nachfrage als Angebot verzeichnet, spricht man von einem strukturellen Defizit.
"Aufgrund der wachsenden Industrie-Nachfrage ist der Preisanstieg bei Silber im Grundsatz nachhaltig", erklärt Brenner. "Gleichzeitig ist Silber bekannt für seine hohe Volatilität. Unsere Empfehlung lautet daher: Silber eignet sich als langfristige Beimischung im Anlageportfolio, sollte aber mit einem klaren Risikobewusstsein und idealerweise gestaffelt gekauft werden."