Das Aus der Kalten Progression ließ 2023 viele Österreicher jubeln. Mit Jahreswechsel bekam ein Arbeitnehmer je nach Verdienst plötzlich 10, 20 oder 30 Euro mehr Nettogehalt aufs Konto überwiesen. Die schleichende Steuererhöhung sollte so abgeschafft, die Steuerstufen laufend an die Inflation angepasst werden.
Doch mit den nun langsam eintrudelnden Jänner-Gehältern zeigt sich ein anderes Bild. Statt der gewohnten Erhöhungen gibt es 2026 für Beschäftigte in Wien nur wenige Euro mehr Nettogehalt. Wurde die Kalte Progression etwa im Budget-Sparzwang wieder klamm und heimlich abgeschafft?
Nein: Hintergrund ist der Anstieg des Wiener Wohnbauförderungsbeitrags. Dieser ist mit 1. Jänner von 1 auf 1,5 Prozent des Bruttogehalts angestiegen. Weil dieser je zur Hälfte von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite bezahlt wird, fällt effektiv eine Mehrbelastung von 0,25 Prozent des Bruttogehalts an.
Bei 3.000 Euro brutto macht das 7,50 Euro aus. 7,50 Euro, die Beschäftigten in anderen Bundesländern 2026 als Nettolohnplus am Konto bleibt. Wiener zahlen hingegen jeden Monat 22,50 Euro (statt bisher 15 Euro) an WF-Beitrag. Die Stadt verspricht sich durch die Anhebung Mehreinnahmen von 200 Millionen Euro, die für den Wohnbau und Bildung eingesetzt werden sollen.