Im November 2025 einigte man sich nach zähem Ringen auf eine Kollektivvertrags-Erhöhung von 2,55 Prozent für Handelsangestellte – ein Kompromiss und ein Abschluss erneut unter der durchschnittlichen Inflationsrate. Weiter ausständig ist allerdings Kollektivvertrag für Handelsarbeiter. "Aktuell stimmen die Beschäftigten über das Letztangebot von 2,55 % plus Zulagenverbesserungen ab, ein Ergebnis wird Mitte Februar erwartet", so die Gewerkschaft vida.
Die REWE Group Österreich prescht jetzt vor und nennt dies als Grund für einen ungewöhnlichen Schritt. Konkret heißt es: Noch bevor die Kollektivvertragsverhandlungen für Handelsarbeiter für 2026 abgeschlossen sind, erhöht Rewe die kollektivvertraglichen Löhne für rund 4.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter um 2,55 Prozent, freiwillig und rückwirkend ab 1. Jänner 2026.
Die Erhöhung sei "keine freiwillige Abkehr vom Kollektivvertrag, sondern eine übergangsweise Maßnahme, da der Kollektivvertrag für Handelsarbeiter:innen (Lager/Transport) noch nicht abgeschlossen ist", heißt es dazu von der Gewerkschaft vida. "Grundlage ist die Empfehlung der Wirtschaftskammer Österreich Anfang Jänner für eine freiwillige Erhöhung um 2,55 %, der Rewe gefolgt ist. Nach Abschluss gilt der KV selbstverständlich auch bei Rewe."
Die Entscheidung wurde laut Rewe in Abstimmung mit der Arbeitnehmervertretung getroffen. Ziel der Maßnahme sei es, den betroffenen Beschäftigten frühzeitig Planungssicherheit zu geben. Obendrauf gibt es ein Versprechen: Eine mögliche spätere Erhöhung im Rahmen des endgültigen Kollektivvertrags soll damit nicht ausgeschlossen werden.
Heißt: Sollte der KV-Abschluss höher ausfallen, wird die Differenz laut REWE entsprechend nachgezogen. Heißt aber auch: Fällt der Abschluss niedriger aus, bleibt die Überzahlung dennoch unverändert.
Die jetzige Lohnerhöhung gilt als provisorische Anpassung und wird transparent auf eine allfällige spätere KV-Erhöhung angerechnet, so Rewe. Unternehmens-Vorstand Marcel Haraszti erklärt, man habe bewusst nicht auf den formalen Abschluss der Verhandlungen warten wollen. Gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten sei finanzielle Verlässlichkeit für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entscheidend.
Auch aus Sicht der Arbeitnehmervertretung wird der Schritt positiv bewertet, heißt es. Konzernbetriebsratsvorsitzender Werner Hackl spricht von einem wichtigen Signal an die Belegschaft und verweist auf die enge Zusammenarbeit.