Die Tenniswelt hält sich seit dem Gerichtsentscheid am Montag erstaunlich ruhig. Auf große Stellungnahmen dazu, dass Djokovics Visum vom Federal Circuit and Family Court of Australia nun doch wiederhergestellt worden war, wurde bisher verzichtet. Während noch viele Unklarheiten bestehen, wie es weitergeht, meldet sich die Weltnummer 24 John Isner via Twitter zu Wort. Der US-Amerikaner, der sich bereits vergangene Woche für Djokovic ausgesprochen hatte, schreibt kurz nach dem Gerichtsentscheid: "Das Einzige, was jetzt noch zu tun ist, ist die Trophäe erneut zu gewinnen und die Stadt für immer zu verlassen."
Ein anderer Tennis-Star, der sich im Einreise-Drama auf die Seite von Djokovic gestellt hatte, ist Nicholas Kyrgios. Der Australier hat am Montag allerdings andere Probleme: Die Weltnummer 114 wurde eine Woche vor dem Start des Australien Open selbst positiv auf Corona getestet und verpasst so das Vorbereitungsturnier Sidney Tennis Classic. Er bekräftig zwar seine Absicht, am ersten Grand Slam des Jahres teilzunehmen. Ob das möglich ist, ist allerdings noch offen.
Derweil feiert Serbien seinen Nationalhelden Novak Djokovic und dessen Triumph in dessen, wie es weitgehend betitelt wird, Kampf um die Freiheit. Die serbische Boulevard-Zeitung "Blic" beispielweise schreibt am Montag euphorisch: "Novak gewinnt, der Staat kniete nieder." Auch in Melbourne gehen serbische Fans auf die Straße und skandieren "Free Nole".
Anders ist die Stimmung in der australischen Öffentlichkeit, wo bereits zuvor viele kritischen Stimmen laut wurden. Die Entscheidung, Djokovic dennoch einreisen zu lassen, zeuge von der Unfähigkeit der Regierung um Premierminister Scott Morrison (53), in der Pandemiebekämpfung eine klare Linie zu fahren. Der ehemalige australische Premier Kevin Rudd zum Beispiel wirft ihm "totale Inkompetenz" vor.
Ähnliche Töne schlägt Senatorin Kristina Keneally an. "Jetzt kann Morrison nicht mal die Grenze managen", klagt die 53-Jährige. Es sei Zeit, ihn abzuwählen. Im April nämlich stehen Down Under neue Wahlen an. Das Thema Djokovic dürfte im Wahlkampf eine bedeutende Rolle einnehmen. Morrisons politischer Rivale Craig Kelly fordert sogar, dass sich Morrison bei Djokovic und ganz Serbien entschuldigen solle – und von der australischen Innenministerin fordert Kelly gar den Rücktritt.
Nach Angaben seines Bruders Djordje Djokovic berät Tennisstar Novak Djokovic derzeit mit seinen Anwälten über das weitere Vorgehen, nachdem ein Gericht in Melbourne am Montag die Verweigerung der Einreise aufgehoben hatte. Er sei im Büro seiner Anwälte, sagte Djordje Djokovic dem serbischen TV-Sender TV Prva. "Er geht aktuell alle Optionen durch", sagte der Bruder des 34 Jahre alten Weltranglisten-Ersten. "Das war eine große Niederlage für die australische Regierung, und sie tun sich schwer damit."
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Aufseiten der australischen Regierung ist allerdings auch noch nicht das letzte Wort gesprochen. Der australische Einwanderungsminister Alex Hawke könnte noch sein persönliches Recht auf Aufhebung des Visums wahrnehmen.