Für Ruhe, Luxus und steuerliche Vorteile sind viele nach Dubai gezogen. Jetzt zeigen sie ihren Followern Fotos von Raketen und Rauchwolken am blitzblauen Himmel. Seit die USA und Israel Luftangriffe gegen den Iran geflogen haben und der Iran wiederum US-Militärstützpunkte in der Golfregion attackiert, melden sich immer mehr Influencer, die in die Emirate ausgewandert sind, zu Wort. Neben Videos von Rauch über Dubais Hochhäusern geht es dabei auch um ihre Ängste und schlaflosen Nächte.
Im Internet sorgen die Postings teils für Spott – viele kritisieren die "völlige Realitätsferne" dieser "Bling-Bling-Welt", wenn man auf die ernste Lage im Nahen Osten schaut. "Wir haben erstmal unsere Sachen gepackt", sagt die in Dubai lebende deutsche Influencerin Ina Aogo, die mit dem Fußballer Dennis Aogo verheiratet ist. In der Nähe ihres Hauses sei eine Rakete abgefangen worden, "wir haben ein paar Sachen fliegen gesehen", erzählt sie sichtlich beunruhigt in einem Video auf Instagram.
Ihr Haus in Dubai steht direkt neben einem US-Militärstützpunkt. Das sei "kein gutes Gefühl, dort schlafen zu müssen", so Aogo. Jetzt sind sie gut eine Autostunde außerhalb der Stadt, wo laut ihr "alle einen ganz normalen Alltag" führen können. Dazu zeigt sie Videos von Urlaubsszenen unter Palmen. In den vergangenen Jahren hat Dubai immer mehr Influencer, Unternehmer und Millionäre angelockt. Sie kommen wegen des geschäftsfreundlichen Klimas, weil es keine Einkommensteuer gibt und weil das Leben luxuriös und unkompliziert ist.
Rund 90 Prozent der vier Millionen Einwohner Dubais haben einen ausländischen Pass. Der britische Influencer Will Bailey hält seine Fans auf Instagram und TikTok am Laufenden. Er filmt Raketenspuren am blauen Himmel über Dubai, die von den Abwehrraketen stammen. "Ich war nur wenige Meter entfernt", sagt er in einem Video, das in der Nähe des beliebten Hotels "Fermont" aufgenommen wurde. Das Hotel ist am Samstag angeblich von einer iranischen Rakete getroffen worden.
Der französische Influencer Benjamin Samat wehrt sich gegen den Spott, der ihm und anderen Influencern in den sozialen Netzwerken entgegenschlägt. Er wünsche "niemandem, mitten in der Nacht von Raketen geweckt zu werden, die am Himmel explodieren", sagt er. Laut der französischen Botschaft in den Emiraten ist eine Ausreise aus Dubai derzeit nicht möglich, weil der Luftraum vorerst geschlossen bleibt. Die Journalistin und Dubai-Kennerin Emma Férey meint, dass jetzt eine "Rückkehr in die Realität" für die Influencer in Dubai zu beobachten ist. Normalerweise leben sie in einer "unter-informierten Welt, in der alles leicht zu sein scheint".
Und: "Jetzt beginnt diese Blase zu platzen." Gleichzeitig sind viele Influencer vertraglich an Marken gebunden und müssen auch jetzt ihre Videos posten, "selbst wenn es um Shampoo geht", sagt die Journalistin. "Es ist diese Diskrepanz, die in den Augen der Öffentlichkeit unanständig erscheinen kann – weiterhin Geld zu verdienen, während die Welt brennt."
Auch die deutsche Influencerin Fiona Erdmann, die seit neun Jahren in Dubai lebt, spricht über die iranischen Angriffe auf US-Stützpunkte in der Region. Sie habe "Raketen am Himmel gesehen". Als Mutter von drei Kindern "geht sowas nicht spurlos an mir vorbei", erzählt Erdmann in einer Instagram-Story. Gleichzeitig vertraut sie auf Dubai: "Ich glaube an das Militär und daran, dass alles unter Kontrolle ist und glimpflich ausgehen wird."