Die Widersprüche von ÖFB-Teamchef Franco Foda

Franco Foda erteilt Anweisungen.
Franco Foda erteilt Anweisungen.GEPA
Österreich ist drauf und dran, die WM-Quali zu vergeigen. Teamchef Franco Foda ist angezählt, die Kritiker werden lauter. Nicht zu Unrecht.

Hängende Köpfe im rot-weiß-roten Nationalteam. Nach dem 2:5 gegen Israel und der 0:1-Pleite gegen Schottland ist die bei der EM entfachte Euphorie verflogen. Die Fans sind enttäuscht, fordern Konsequenzen. Konkret: das Aus von Teamchef Franco Foda. "Wenn es nicht läuft, sucht man immer einen Schuldigen", meint der Deutsche.

Der ÖFB-Coach liefert seinen Kritikern tatsächlich genug Munition, verliert sich zum Teil in Widersprüchen. Ein Beispiel: "Wir haben zu wenig über die Flügel gespielt", analysierte Foda nach der Niederlage gegen die Schotten. Die Statistik spuckt jedoch 38 Flanken aus. Zudem "vergaß" der Coach, einen kopfballstarken Stürmer aufzustellen, der die Vorlagen verwerten kann.

Spieler völlig ratlos

Martin Hinteregger sprach das Problem offen an. "Wir haben denen in die Karten gespielt. Nur mit Flanken zu spielen, das war nicht richtig. Wir hätten mehr durch die Mitte spielen müssen, in der zweiten Halbzeit andere Ansätze finden müssen."

An sich die Aufgabe eines Trainers, im Vorfeld mögliche Szenarien durchzugehen – und sie im Laufe der Partie seinen Spielern kund zu tun. Das ist offenbar nicht geschehen. "Wir haben keine Lösungen gefunden", sagt David Alaba. "Wir waren verloren, fanden keinen Ausweg", gestand Marko Arnautovic.

"Es lag nicht am System"

Foda sorgte bereits beim 2:5 gegen Israel für Verwirrung. Er schickte seine Elf mit einer selten erprobten Dreierkette aufs Feld. Zur Pause, als es 1:3 stand, stellte er auf Viererkette um. "Es lag nicht am System. Jeder hat gesehen, wie gut wir in der ersten Halbzeit nach vorne gespielt haben", verteidigte der 55-Jährige später seine Überlegungen. Dennoch switchte er nach 45 Minuten. So ganz zufrieden dürfte er also doch nicht gewesen sein.

Wo soll Demir spielen?

Ein weiteres Kuriosum: Beim 2:0-Erfolg über Moldawien saß Barcelona-Youngster Yusuf Demir 90 Minuten auf der Bank. "Ich sehe ihn auf der Zehn oder Neuneinhalb, nicht am Flügel", erklärte Foda. Gegen Schottland hielt sich der "Joker" im Finish aber genau dort auf. 

Foda versuchte den schwache Lehrgang auch mit den Ausfällen einiger Stammkräfte zu erklären – Marcel Sabitzer, Sasa Kalajdzic, Xaver Schlager und Stefan Lainer standen nicht zur Verfügung. "Viele Spieler haben auch nur wenig Rhythmus bei ihren Vereinen", klagte der Teamchef zudem, nannte Konrad Laimer, Florian Grillitsch und Louis Schaub. Dabei saßen Alternativen auf der Bank. Köln-Legionär Dejan Ljubicic hätte etwa im defensiven Mittelfeld für Entlastung sorgen können. Wie auch Stefan Schwab. Der topfitte PAOK-Saloniki-Dauerbrenner schaffte es aber nicht einmal ins Aufgebot.

Kein Sieg gegen Top-Team

Fakt ist: Foda hat von 30 Pflichtspielen kein einziges gegen ein Team gewonnen, das im FIFA-Ranking höher klassiert ist als Österreich. In den letzten 13 Partien gelangen nur vier Erfolge – gegen die Ukraine, Nordmazedonien, Moldawien und die Färöer. Dennoch hält der scheidende ÖFB-Präsident Leo Windtner am ehemaligen Sturm-Coach fest. "Ich halte nichts von einem Schnellschuss", sagt er – und überlässt die Teamchef-Frage somit seinem Nachfolger.  

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