Neue Studie

Diese Antikörper machen West-Nil-Virus viel tödlicher

Das West-Nil-Virus hat Europa erreicht. Eine neue Studie zeigt, dass spezielle Autoantikörper das Todesrisiko um das bis zu 2000-fache erhöhen können.
Newsdesk Heute
13.03.2026, 21:46
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Allein in Italien gab es im Jahr 2025 mehrere Dutzend Todesfälle. Im Tessin wurde im Dezember der erste Fall bestätigt. Das Virus wird durch Gelsen übertragen und ist laut Forschern vom Universitätsspital Genf (HUG) mittlerweile ein echtes "Problem für die öffentliche Gesundheit".

Wie "20 Minuten" berichtet, haben Experten aus Genf gemeinsam mit Kollegen aus New York erstmals einen entscheidenden Risikofaktor für schwere Verläufe entdeckt.

Wann spricht man von einem schweren Verlauf?

Eine Infektion mit dem West-Nil-Virus bleibt bei rund 80 Prozent der Menschen unbemerkt. Bei etwa einem Fünftel kommt es zu Beschwerden wie beim Grippalen Infekt: Kopfschmerzen, allgemeines Unwohlsein, Fieber, Muskelschmerzen, Erbrechen, Hautausschlag, Müdigkeit und Schmerzen hinter den Augen.

Weniger als ein Prozent der Infizierten entwickeln laut der Europäischen Gesundheitsbehörde ECDC eine sogenannte neuroinvasive Erkrankung. Das heißt, das Nervensystem wird angegriffen. In 0,5 Prozent der Fälle kommt es zu einer Enzephalitis – einer schweren Entzündung des Gehirns. Laut Mitteilung des HUG endet eine solche bei jedem fünften Betroffenen tödlich. Wer überlebt, hat oft mit massiven neurologischen Problemen zu kämpfen.

Bestimmte Autoantikörper machen das Virus bis zu 2000-mal gefährlicher

Bisher war unklar, wer besonders gefährdet ist, schwer zu erkranken. Das hat sich jetzt geändert. Laut der aktuellen Studie ist das Risiko, eine Gehirnentzündung zu bekommen, bei Menschen mit bestimmten Autoantikörpern bis zu 2000-mal höher als bei anderen. Frühere Untersuchungen hatten das schon vermutet, jetzt ist es bewiesen.

Was sind das für Antikörper?

Es geht um sogenannte Anti-Interferon-Autoantikörper. Diese Antikörper kommen bei einigen gesunden Menschen vor und blockieren wichtige Botenstoffe des Immunsystems, die eigentlich Viren frühzeitig bekämpfen sollen – die sogenannten Typ-I-Interferone. "Diese Menschen leben, ohne zu wissen, dass sie auf unsichtbare Weise gefährdet sind", sagt Alessandro Borghesi. "Sie kommen mit den meisten Infektionen zurecht, aber wenn sie sich mit einem neuen Virus, wie dem West-Nil-Virus, infizieren, wird diese Anfälligkeit offensichtlich."

Die Ergebnisse zeigen: Bei Menschen ohne oder nur mit sehr leichten Symptomen fehlen diese Antikörper. Bei rund 40 Prozent der Patienten, die wegen einer Enzephalitis im Spital liegen, sind sie aber nachweisbar. "Das Vorhandensein dieses Immunmoleküls erhöht das Risiko, eine Enzephalitis zu entwickeln, um das 20- bis 2000-fache", so das Forschungsteam.

Wenig Fälle, aber trotzdem ein großes Problem für die Gesundheit?

Bis jetzt gibt es keine gezielte Therapie gegen das West-Nil-Virus. Ärzte können nur die Symptome lindern. Wer schwer erkrankt, muss stationär behandelt werden – oft sogar auf der Intensivstation, damit die lebenswichtigen Funktionen aufrechterhalten werden, heißt es vom HUG.

Laut Borghesi reichen schon wenige schwere Fälle, um die Spitalskapazitäten bei einem Ausbruch an ihre Grenzen zu bringen. "In Israel, das den bisher größten bekannten Ausbruch hatte, mussten im Jahr 2024 mehrere Hundert Menschen auf die Intensivstation", erklärt er. Deshalb ist es wichtig, Risikopersonen frühzeitig zu erkennen, um rechtzeitig vorbeugen zu können.

Geht es nur darum, die Spitäler zu entlasten?

Nein. Die neuen Erkenntnisse sollen langfristig helfen, Risikopersonen gezielt zu identifizieren. So könnten Präventionsmaßnahmen angepasst oder – falls es irgendwann einen Impfstoff gibt – gezielt Impfungen angeboten werden, so Borghesi. Außerdem hilft die Entdeckung, auch schwere Verläufe bei anderen Viren besser zu verstehen – etwa bei von Zecken übertragenen Gehirnentzündungen, Covid-19 oder Grippe. Auch dort könnte derselbe Mechanismus eine Rolle spielen.

Die Studie wurde im "Journal of Human Immunity" veröffentlicht.

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