Lungenkrebs zählt zu den gefährlichsten Krebserkrankungen in Österreich. Jedes Jahr erhalten rund 5.000 Menschen die Diagnose. Die Krankheit wird häufig erst spät entdeckt – deshalb sind die Heilungschancen oft gering. Laut Experten sterben hierzulande mehr Menschen an Lungenkrebs als an Brust- und Prostatakrebs zusammen. Nur etwa 20 Prozent der Fälle werden in einem frühen, noch gut behandelbaren Stadium erkannt. Experten fordern bereits seit Jahren ein Lungenkrebs-Screening-Programm – vor allem für Raucher. Denn je früher der Krebs erkannt wird, desto höher sind die Überlebenschancen.
Während Österreich weiter zuwartet, wagt Deutschland diesen Präventivschritt: Ab 1. April haben langjährige Raucher Anspruch auf eine jährliche Untersuchung mittels Niedrigdosis-Computertomografie (CT) zur Früherkennung von Lungenkrebs.
Menschen zwischen 50 und 75 Jahren können am Screening teilnehmen, wenn sie über mindestens 25 Jahre lang stark geraucht haben oder erst vor weniger als zehn Jahren mit dem Rauchen aufgehört haben.
"Lungenkrebs ist der Killer Nummer eins unter den Krebserkrankungen und fordert auch in Österreich mehr Todesopfer als Brust- und Prostatakrebs zusammen", erklärte Judith Löffler-Ragg, Generalsekretärin der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP), bereits im vergangenen Sommer.
Ein großes Problem: Nur etwa 20 Prozent der Lungenkrebsfälle werden in Österreich im heilbaren Frühstadium entdeckt. In rund drei Viertel der Fälle erfolgt die Diagnose erst im fortgeschrittenen Stadium III oder IV.
Früherkennungsprogramme könnten das deutlich ändern. Ziel solcher Programme mit Niedrigdosis-CT ist es, bis zu 70 Prozent der Erkrankungen bereits in den frühen Stadien I oder II zu erkennen. In Großbritannien gelang das in Pilotprojekten sogar bei rund 80 Prozent der Fälle. Im frühen Stadium sind die Heilungschancen deutlich höher: Die Fünf-Jahres-Überlebensrate liegt dann bei etwa 80 Prozent.
Experten verweisen auf klare wissenschaftliche Daten. "Mit solchen Programmen konnte die Gesamtsterblichkeit bereits um 48 Prozent und die Lungenkrebssterblichkeit um 45 Prozent gesenkt werden", sagte der Wiener Pneumologe Arschang Valipour von der Klinik Floridsdorf.
In der Europäischen Union haben bereits mehr als 20 Länder Programme zur Lungenkrebs-Früherkennung gestartet oder planen entsprechende Initiativen. In Österreich wird ein Screening seit Jahren diskutiert, konkrete Schritte zur Umsetzung gibt es bisher jedoch nicht. Als potenzielle Zielgruppe gelten bis zu rund 600.000 Menschen.
Forscher des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) untersuchten, wann ehemalige Raucher wieder ein ähnlich hohes Lungenkrebs-Risiko erreichen wie aktive Raucher. Dafür analysierten sie Daten von mehr als 86.000 starken Rauchern und Ex-Rauchern aus der britischen Langzeitstudie UK Biobank.
Das Ergebnis: Je länger der Rauchstopp zurückliegt, desto stärker sinkt das Risiko.
Wer erst vor fünf Jahren aufgehört hat, erreicht das Referenzrisiko etwa mit 53 Jahren. Bei einem Rauchstopp vor sechs bis zehn Jahren liegt dieser Zeitpunkt ungefähr bei 56 Jahren.
Selbst Menschen, die seit mehr als zehn Jahren nicht mehr rauchen, können im Laufe ihres Lebens wieder ein vergleichbares Risiko entwickeln – etwa mit rund 60 beziehungsweise 67 Jahren, so die Wissenschafter.