Diese Impf-Reaktionen sind in Österreich am häufigsten

Eine Corona-Impfung kann Nebenwirkungen auslösen, muss aber nicht.
Eine Corona-Impfung kann Nebenwirkungen auslösen, muss aber nicht.Getty Images
Erstmals gibt es österreichweite Daten zu den Nebenwirkungen der verschiedenen Corona-Impfstoffe. Am öftesten werden sie durch AstraZeneca ausgelöst.

Die Angst vor Nebenwirkungen und eventuellen bleibenden körperlichen Schäden ist der häufigste Grund, weshalb von der Corona-Impfung Abstand genommen wird. Diese Impfreaktionen sammelt das Österreichische Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG). Bisher wurden 24.073 solcher vermuteter Nebenwirkungen gemeldet. Eine hohe Zahl, die sich jedoch im Vergleich mit der bisherigen Impfrate relativiert: Bis zum 14. Mai 2021 waren 3.969.264 Impfungen im e-Impfpass eingetragen.

Welche Nebenwirkungen bei welchem Vakzin am häufigsten auftreten, veröffentlichte das BASG jetzt in einem ausführlichen Bericht

Nebenwirkungenvon Arzneimittel kann man beim Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen melden.

Bei welchen Impfstoffen die meisten Nebenwirkungen auftreten

Der Impfstoff von AstraZeneca löste bisher am häufigsten Nebenwirkungen aus.
Der Impfstoff von AstraZeneca löste bisher am häufigsten Nebenwirkungen aus.basg.gv.at

Laut Bericht wurden die meisten Nebenwirkungen in der Altersgruppe 18-44 Jahren gemeldet. Von den 24.073 Meldungen entfielen 14.043 auf diese Alterskohorte. Mit 16.678 waren Frauen wesentlich häufiger betroffen als Männer.

Der Impfstoff von AstraZeneca zeigt eine deutlich höhere Melderate als die Impfstoffe von BioNTech/Pfizer oder Moderna. Die bisher gemeldeten vermuteten Nebenwirkungen entsprechen sowohl in ihrer Art als auch in ihrer Häufigkeit den aus den Zulassungsstudien zu erwartenden Reaktionen. Neben Reaktionen an der Einstichstelle zählen Kopfschmerzen oder Müdigkeit (bei jeweils ca. 53 Prozent der Probanden), Muskelschmerzen oder Unwohlsein (44 Prozent), Fiebrigkeit (33 Prozent), Gelenkschmerzen (26 Prozent), Schüttelfrost (32 Prozent) und Fieber über 38 Grad (8 Prozent) auch in den klinischen Studien zu den am häufigsten gemeldeten Impfreaktionen.

Milde bis moderate Nebenwirkungen

Punkto Intensität waren die Nebenerscheinungen mehrheitlich mild bis moderat und verschwanden binnen weniger Tage. In den klinischen Studien des Impfstoffs von AstraZeneca zeigte sich darüber hinaus, dass berichtete Nebenwirkungen und Impfreaktionen nach der ersten Dosis stärker und häufiger waren als nach der zweiten Dosis. Bisher wurde dieser Impfstoff hauptsächlich jüngeren Menschen verabreicht, bei denen laut Studien in der Regel stärkere Impfreaktionen auftreten. Zusätzlich ist davon auszugehen, dass die mediale Berichterstattung der vergangenen Tage und Wochen über diesen Impfstoff die Sensibilität für die Meldung von vermuteten Nebenwirkungen und Impfreaktionen erhöht hat.

Diese Nebenwirkungen treten am häufigsten auf

Nach einer Impfung mit AstraZeneca trat gehäuft Fieber auf.  
Nach einer Impfung mit AstraZeneca trat gehäuft Fieber auf.  basg.gv.at

Weiters traten bei 280 Personen allergische Hautreaktionen auf (147 BioNTech/Pfizer, 37 Moderna, 96 AstraZeneca). Insgesamt konnte bei 199 Patienten der Gesundheitszustand wiederhergestellt werden. Bei 81 läuft noch die Abklärung bzw. konnten noch keine weiteren Informationen eingeholt werden. Bei 58 Patienten wurde eine Gesichtslähmung bzw. eine Empfindungsstörung gemeldet (44 BioNTech/Pfizer, 1 Moderna und 13 AstraZeneca). Bei 40 Fällen konnte der Gesundheitszustand wiederhergestellt werden, 18 weitere sind noch in Abklärung.

Feststellung des Impfschutzes 

Bei Impfstoffen ist auch das Ausbleiben einer Wirkung besonders relevant und sollte in jedem Fall gemeldet werden. Antikörpertests messen die Immunantwort des Körpers auf den Impfstoff, woraus die Schutzwirkung abgeleitet werden kann. Im Fall von COVID-19-Impfstoffen sind für einen vollständigen Impfschutz impfstoffabhängig ein bis zwei Dosen notwendig und danach muss eine gewisse Zeitspanne zur Entwicklung einer entsprechenden Immunantwort abgewartet werden.

Hier lesen: So gut wirken die Corona-Impfstoffe wirklich

Schwerwiegende Nebenwirkungen und Todesfälle

Dem BASG wurden 106 Todesfälle in zeitlicher Nähe zu einer Impfung gegen COVID-19 gemeldet (85 BioNTech/Pfizer, 9 Moderna, 12 AstraZeneca). Bei 4 Patienten davon konnte aufgrund des Obduktionsberichts ein Zusammenhang mit der Impfung ausgeschlossen werden. Bei 19 Personen fiel die Impfung in die Inkubationszeit einer COVID-19-Erkrankung im Rahmen derer die Patienten verstarben. Bei 33 weiteren bestanden schwerwiegende Vorerkrankungen, die vermutlich todesursächlich waren. Bei einem Fall wird ein Zusammenhang mit der Impfung gesehen (Todesfall einer 49-jährigen Patientin, die in Folge schwerer Gerinnungsstörungen verstorben ist), bei 8 weiteren Personen ist die Schutzwirkung ausgeblieben. 41 weitere Fälle (25 BioNTech/Pfizer, 8 Moderna und 8 AstraZeneca) sind noch in Abklärung bzw. konnten keine weiteren Informationen eingeholt werden.

Da speziell am Beginn der Impfaktion hauptsächlich hochbetagte Personen geimpft wurden, war damit zu rechnen, dass in einem zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung auch natürlich bedingte, das heißt, nicht impfbedingte, gesundheitliche Ereignisse auftreten. Der Erwartungswert der Zahl der Todesfälle eine Woche nach der Impfung beträgt bei Risikopersonen im Alter von 80 Jahren und älter 3,5 pro 1000. Basierend auf dieser sogenannten Hintergrundinzidenz ist mit einem Todesfall pro 290 Personen dieser Altersgruppe innerhalb einer Woche, unabhängig von einer Impfung, zu rechnen.

In Europa wurde außerdem nach einer Impfung mit dem COVID-19-Impfstoff von AstraZeneca eine Kombination von Thrombose und Thrombozytopenie - einem Mangel an Thrombozyten (Blutplättchen) - im Blut beobachtet. Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) hat die dazu vorliegenden Daten aus der EU und Großbritannien zu diesen sehr seltenen Blutgerinnungsstörungen evaluiert und sieht einen Zusammenhang zwischen den Blutgerinnungsstörungen und der COVID-19- Impfung von AstraZeneca. Acht Fälle in zeitlicher Nähe zu einer Impfung mit AstraZeneca wurden dazu gemeldet.

Das Auftreten einer Herzmuskelentzündung wurde in zeitlicher Nähe zu einer Impfung in 11 Fällen gemeldet (6 BioNTech/Pfizer, 5 AstraZeneca). Davon ist eine 81-jährige Patientin mit Multiorganversagen verstorben (geimpft mit BioNTech/Pfizer). Bei drei Patienten konnte der Gesundheitszustand wiederhergestellt werden, sieben weitere sind noch in Abklärung.

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