Europa steht beim Diesel plötzlich unter Druck. Mehrere Tanker, die eigentlich für europäische Häfen bestimmt waren, drehen mitten auf See ab. Statt nach Amsterdam oder andere Ziele liefern sie ihren Treibstoff nun womöglich nach Asien.
Ein besonders auffälliger Fall: der Tanker "Elka Delphi". Das Schiff war bereits auf dem Weg nach Europa, als es nordwestlich von Spanien plötzlich den Kurs änderte. An Bord: rund 1,2 Millionen Barrel Diesel. Statt Europa dürfte die Lieferung nun über Umwege in Asien landen.
Der Grund liegt laut "Bloomberg" auf der Hand: Geld. In Asien zahlen Käufer derzeit deutlich mehr für Diesel und Vorprodukte wie Gasöl. Laut Börsendaten liegt der Preis dort umgerechnet rund 200 Euro pro Tonne über dem europäischen Niveau. Für Händler ein klarer Anreiz, die Route kurzfristig zu ändern.
Der Hintergrund ist die angespannte Lage im Nahen Osten. Durch den Iran-Krieg sind wichtige Förderanlagen eingeschränkt, zudem ist die Straße von Hormuz als zentrale Schifffahrtsroute massiv beeinträchtigt. Dadurch kommt weniger Öl und Gas auf den Weltmarkt – und der Konkurrenzkampf verschärft sich.
Nicht nur Diesel ist betroffen: Auch Flüssiggas-Lieferungen wurden zuletzt kurzfristig umgeleitet. Europa droht damit gleich bei mehreren Energiequellen ins Hintertreffen zu geraten.
Für die Österreicher ist das schon spürbar – dank des jüngsten Preissprungs um 15 Cent bei Diesel fällt der nächste Tankstopp deutlich teurer aus.