150. Geburtstag Ivan Cankar

Dieser Autor entlarvte Wiens Elend gnadenlos

Ivan Cankar zeigte das Wien um 1900 von seiner düstersten Seite. Der slowenische Autor schrieb über jene, die damals kaum jemand sehen wollte.
Heute Entertainment
10.05.2026, 22:53
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Während Arthur Schnitzler im Kaffeehaus schrieb, blickte Ivan Cankar dorthin, wo Wien arm, eng und brutal war: in die Vorstadt. Der wichtigste Vertreter der modernen slowenischen Literatur lebte elf Jahre lang in Ottakring – mitten unter Arbeitern, Tagelöhnern und Menschen am Existenzminimum. Am 10. Mai jährt sich sein Geburtstag zum 150. Mal.

Jetzt erscheinen mit "Aus der Vorstadt" und "Krpans Stute" zwei Bücher mit seinen Wien-Texten auf Deutsch. Darin zeigt Cankar die andere Seite der glanzvollen Kaiserstadt: Hunger, Gewalt, Alkoholismus und Hoffnungslosigkeit statt Walzer-Romantik.

Der Autor des armen Wiens

Der Autor wohnte selbst in einfachen Verhältnissen zur Untermiete in Ottakring. Genau diese Welt beschrieb er auch in seinen Geschichten. Das Wien jenseits des Gürtels nennt er eine "finstere Stadt der Armut und Sünde".

Politisch wurde Cankar in Wien immer radikaler, bekannte sich offen zur Sozialdemokratie und kandidierte sogar bei der Reichsratswahl 1907. Seine Botschaft: Nicht das feudale Zentrum hat Zukunft, sondern die Vorstadt.

Während die Wiener Moderne das Bürgertum feierte, schrieb Cankar über jene, die sonst niemand sehen wollte – Arbeiter, Dienstmädchen und Gescheiterte. Genau das macht seine Texte bis heute so aktuell.

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