Da denkt man sich schnell einmal: "Uff." Doch es geht tatsächlich noch länger. Die Berliner Volksbühne bringt bald wieder "Peer Gynt" auf die Bühne – beim ersten Mal dauerte der Theatermarathon ganze acht Stunden. Wäre das Team wegen der Arbeitszeiten nicht eingeschritten, hätte der Abend wohl sogar noch länger gedauert.
Wie NTV berichtet, stöhnte damals ein Zuschauer nach mehr als sechs Stunden bereits: "Ich hoffe, es ist vorbei." Andere wiederum waren begeistert. Doch warum faszinieren solche XXL-Theaterabende gerade heute, wo viele kaum mehr ohne Handy auskommen?
Eine offizielle Statistik über immer längere Inszenierungen gibt es zwar nicht. Laut Deutschem Bühnenverein habe es aber schon immer Marathonstücke gegeben – etwa Luk Percevals zwölfstündige "Schlachten" bei den Salzburger Festspielen oder die siebenstündigen "Brüder Karamasow" in Bochum.
Festivalleiterin Nora Hertlein-Hull erinnert sich besonders an eine siebenstündige "Der große Gatsby"-Lesung bei den Wiener Festwochen 2007. Für sie haben solche Abende fast etwas Sportliches: "Man richtet sich darauf ein, packt sich vielleicht sogar ein Brot ein."
Gerade das Durchhalten macht für viele den Reiz aus. "Die, die bis zum Schluss bleiben, sind oft euphorisch. Man hat das gemeinsam durchgestanden", sagt Hertlein-Hull. Nach der Pandemie seien Theaterstücke zunächst kürzer und leichter konsumierbar geworden. Jetzt trauen sich viele Bühnen aber wieder an große, fordernde Live-Erlebnisse heran.
Lange Theaterabende haben dabei Tradition. Spätestens mit dem Regietheater der 1970er- und 1980er-Jahre wurde Theater immer stärker als eigenes Kunst- und Gesellschaftserlebnis verstanden – und dafür nahm man sich eben Zeit. Oder gleich einen ganzen Tag.