Von Sebastian Beccacece fiel der Druck eines ganzen Landes ab. Nach der überlebenswichtigen Überraschung gegen Deutschland stürmte Ecuadors Trainer zu den Rängen und hüpfte all jenen in die Arme, die ihm am wichtigsten sind. Das 2:1, das die Südamerikaner als Gruppendritter in die K.o.-Runde brachte und ihm vorerst den Job rettete, genoss er mit seinen Liebsten.
Sein Team habe gegen die DFB-Auswahl "wohl unseren größten Sieg in der Geschichte der Weltmeisterschaften errungen". Heute, jubelte Beccacece, sei Ecuador "etwas Großes gelungen. Wir haben eine Fußballgroßmacht in einem historischen Spiel besiegt."
Es waren Aussagen, die sich wohl auch an seine Kritiker richteten. Am Tag vor der Partie hatte der argentinische Coach noch zu einem Rundumschlag ausgeholt. Er gab zu, nie die Herzen der ecuadorianischen Fans erreicht zu haben. Die Wahrnehmung seiner Arbeit, klagte er zugleich, sei auch "durch politische Strömungen und durch gewisse mediale Sektoren beeinflusst und gelenkt" worden.
Zuvor hatte unter anderem der ehemalige Teamspieler Jefferson Montero gegen Beccacece geschossen: "Hör auf, heiße Luft zu verkaufen, tritt zurück. Hab ein bisschen Würde, du hast unserem Fußball mit einer Generation, die die Beste der Geschichte sein sollte, großen Schaden zugefügt." Nach der Nullnummer Ecuadors gegen Underdog Curacao soll es darüber hinaus auf der Tribüne zu verbalen Auseinandersetzungen zwischen der Familie des Trainers und wütenden Fans gekommen sein. Beccacece ist mit Patricia Persson verheiratet, das Paar hat die beiden Töchter Agustina und Vicky.
Nun lud der 45-Jährige "ganz Ecuador dazu ein, vereint zu sein". Er wolle sich bei denen entschuldigen, "zu denen ich noch keinen Zugang gefunden habe. Die Wahrheit ist, dass ich Ecuadors Volk zutiefst dankbar bin", sagte Beccacece, der versicherte, "mit keinem Journalisten in Konfrontation" gehen zu wollen.
Gegen Deutschland überzeugte Ecuadors Team erstmals. Nach den Enttäuschungen gegen die Elfenbeinküste (0:1) und Curacao (0:0) habe man sich nicht "wie in der Hölle gefühlt", sagte Beccacece, "und jetzt fühlen wir uns auch nicht wie im Himmel. Wir sind auf der Erde."
Er lobte seine "26 Krieger" und gab mutig das Viertelfinale als Wunschziel für das weitere Turnier aus. "Ich weiß nicht, wozu diese Mannschaft am Ende fähig ist. Was ich weiß, ist, dass wir jedes Spiel so bestreiten, als wäre es unser letztes", versprach er. Und zu seinem emotionalen Jubel meinte der argentinische Coach: "Die Emotionen haben mich überwältigt. Ich hatte diesen Jubel nicht geplant, ich bin einfach meinem Herzen gefolgt." Und zu seiner Frau sagte Ecuadors Teamchef dann: "Sie hat mich in Höhen und Tiefen meiner Karriere begleitet. Sie hat so viel für mich und meine Familie geopfert. Deshalb war sie in diesem emotionalen Moment die erste Person, mit der ich diesen Moment feiern wollte. Heute Abend wollte ich ihr vor den Augen der ganzen Welt danken."