Es gibt Spiele, bei denen man schnell genau weiß, was einen erwartet. Bei "Meat Grinder: Hotdog Simulator" stimmt das zunächst sogar. Du stehst in einem kleinen Hotdog-Laden, hast Kundschaft vor der Theke und musst dafür sorgen, dass die Bestellungen möglichst schnell auf den Tisch kommen. Würstchen werden zubereitet, Brot wird vorbereitet, Saucen kommen dazu und das fertige Essen wird ausgegeben. Es ist zunächst ein ganz gewöhnlicher Arbeitstag in einem kleinen Fastfood-Laden. Ganz gewöhnlich bleibt das Ganze allerdings nicht lange. Das Spiel von Panic Panda spielt in der nebligen Kleinstadt Grimshore. Dort übernimmst du einen Hotdog-Imbiss und versuchst, daraus ein funktionierendes Geschäft zu machen.
Das klingt nach einem typischen Simulationsspiel, bei dem du dich um Zutaten, Kundschaft und Einnahmen kümmerst. Und genau damit beginnt "Meat Grinder" auch. Das Problem ist nur: Irgendwann geht das Fleisch aus. Dann wird aus dem harmlosen Imbiss ein ziemlich schräger Horrortrip. Die Grundidee ist schnell verstanden und gerade deshalb funktioniert sie zunächst so gut. Du arbeitest tagsüber hinter der Theke und versuchst, möglichst viele Kunden zufriedenzustellen. Nachts kümmerst du dich um die Dinge, über die man in einem normalen Restaurant besser nicht spricht. Am Tag wird gekocht und verkauft, in der Nacht wird nach einer sehr speziellen Form von Nachschub gesucht.
Die eigentliche Stärke des Spiels liegt für mich in diesem Tagesablauf. "Meat Grinder" macht aus dem Zubereiten eines Hotdogs mehrere kleine Arbeitsschritte. Würstchen müssen gegrillt, Brötchen geschnitten, Saucen verwendet und Bestellungen ausgegeben werden. Später kommen weitere Aufgaben dazu. Das klingt auf dem Papier nicht nach besonders viel. In der Praxis entsteht aber schnell Stress, weil die Kunden nicht einfach alle dieselbe Bestellung aufgeben. Mit fortschreitenden Spieltagen werden die Bestellungen umfangreicher. Damit verändert sich auch das Tempo, in dem du arbeiten musst.
Am Anfang kannst du dir noch relativ gut überlegen, welchen Schritt du als Nächstes erledigst. Sobald mehrere Kunden gleichzeitig warten, funktioniert das nicht mehr so gemütlich. Dann steht eine Bestellung an, während bereits die nächste vorbereitet werden muss. Nebenbei darfst du nicht vergessen, Zutaten nachzubestellen und deinen Vorrat im Auge zu behalten. Genau hier hat das Spiel seinen interessantesten Punkt. Es geht nicht darum, möglichst komplizierte Menüs zu kochen. Es geht darum, mehrere einfache Aufgaben gleichzeitig im Griff zu behalten. Das ist deutlich spannender, als es zunächst klingt.
Wenn dann noch weitere Stationen dazukommen, wird der Arbeitstag hektisch. Neben den Hotdogs lassen sich später auch Getränke und Pommes anbieten. Dafür müssen entsprechende Stationen repariert werden. Das Geld dafür kommt aus dem laufenden Geschäft. Du verkaufst also Essen, verdienst damit Geld und steckst einen Teil davon wieder in den Laden. Das ist kein besonders komplexes Wirtschaftssystem. Es reicht aber aus, damit die Arbeit nicht völlig losgelöst vom restlichen Spiel wirkt. Die Verwaltung des Vorrats ist ein wichtiger Teil des Spiels. Es bringt dir nichts, einen vollen Laden mit hungrigen Kunden zu haben, wenn dir die passenden Zutaten fehlen. Deshalb gehört das Nachbestellen zum Alltag.
Wer den Überblick über seinen Bestand verliert, steht irgendwann vor einer Schlange und kann die Wünsche der Kunden nicht mehr erfüllen. Auch die einzelnen Arbeitsstationen sind nicht einfach nur Kulisse. Du musst tatsächlich mit ihnen arbeiten. Das sorgt dafür, dass der Laden nicht wie ein Menübildschirm wirkt, in dem man lediglich auf die nächste Option klickt. Gerade diese körperliche Arbeit aus der Ego-Perspektive macht einen Teil des Reizes aus. Du bewegst dich durch den Laden, greifst nach den Zutaten und arbeitest dich von einem Handgriff zum nächsten. Dadurch fühlt sich die Arbeit zumindest für eine Weile tatsächlich nach Arbeit an. Das hat allerdings auch eine Kehrseite.
Manche Interaktionen sind unnötig fummelig. Besonders dann, wenn mehrere Gegenstände an einer Station dicht nebeneinander liegen, kann die Bedienung ungenau wirken. Das fällt vor allem in stressigen Situationen auf. Wenn bereits mehrere Kunden warten, möchte man nicht zuerst herausfinden müssen, welchen Gegenstand das Spiel gerade erkannt hat. Zu einem Imbiss gehört normalerweise auch das Aufräumen. "Meat Grinder" nimmt diese Aufgabe ziemlich wörtlich. Schmutz muss beseitigt und herumliegender Müll eingesammelt werden. Das Problem dabei ist nicht die Idee selbst. Das Problem ist, dass diese Tätigkeiten wenig Abwechslung bieten. Ein Teil der Aufräumarbeit läuft auf wiederholte Handgriffe hinaus.
Gerade wenn du ohnehin schon viele Aufgaben erledigen musst, fühlt sich das eher nach zusätzlicher Pflichtarbeit als nach einem spannenden Bestandteil des Spiels an. Die Zubereitung der Hotdogs erzeugt zumindest Druck, weil Kunden warten und Bestellungen erledigt werden müssen. Beim Putzen fehlt dieser Reiz weitgehend. Trotzdem passt die Aufgabe zum Aufbau des Spiels. Du bist für den Betrieb verantwortlich und musst dich auch um die weniger angenehmen Seiten kümmern. Nur macht das diese Aufgaben nicht automatisch unterhaltsam. Der eigentliche Grund, warum dieses Spiel überhaupt auffällt, liegt natürlich nicht bei Würstchen, Brötchen oder Pommes.
Nach dem Arbeitstag schläfst du und wachst in der Nacht wieder auf. Jetzt verlässt du den Laden und gehst durch Grimshore. Das Fleischproblem wird auf eine Weise gelöst, die man in einem normalen Restaurant hoffentlich nicht auf der Einkaufsliste finden würde. Der Friedhof wird zum Ort der nächtlichen Beschaffung. Mit einer Schaufel geht es zu den Gräbern. Was dort passiert, ist makaber und gehört zum schwarzen Humor des Spiels. Aus den menschlichen Überresten wird anschließend das Material für die Hotdogs. Das ist die zentrale Pointe von "Meat Grinder". Tagsüber werden Kunden bedient, nachts wird der Fleischvorrat aufgefüllt. Auch nachts bleibt "Meat Grinder" aber ein relativ simples Spiel.
Du bewegst dich durch die Stadt, suchst bestimmte Bereiche auf und musst dabei unter anderem mit der Polizei aufpassen. Die Gegner-KI ist überschaubar. Wer sich mit dem Spiel beschäftigt, kann außerdem eine Abkürzung freischalten, mit der sich die Polizei später umgehen lässt. Das Spiel setzt zudem auf einen Retro-Look, der an (sehr) alte PlayStation-Spiele erinnert. Die Figuren, Umgebungen und Objekte wirken kantig und sind niedrig aufgelöst. Die Optik gibt Grimshore einen schmutzigen, unangenehmen Charakter. Nebel, einfache Texturen und die altmodische Darstellung sorgen dafür, dass der Ort nicht wie eine moderne Spielwelt wirkt. Gerade dadurch passt die Umgebung zum makabren Thema.
Die Figuren haben keine klassisch gesprochenen Dialoge. Stattdessen werden ihre Gespräche über einfache Geräusche und Text vermittelt. Auch bleibt die Welt von Grimshore vergleichsweise leer. Es gibt eine offene Umgebung, Nebenaufgaben und versteckte Bereiche. Du kannst die Stadt erkunden und dabei verschiedene Geschichten und Geheimnisse entdecken. Trotzdem wirkt die Umgebung nicht so lebendig, wie es das offene Konzept zunächst vermuten lässt. Viele Wege führen letztlich wieder zurück zu den Aufgaben, die mit deinem Laden oder der Versorgung zusammenhängen. Wer eine riesige, frei erkundbare Stadt mit ständig neuen Aktivitäten erwartet, wird hier schnell an Grenzen stoßen.
Dabei hätte die Handlung durchaus Potenzial. Deine Figur kommt neu nach Grimshore und eröffnet dort den Hotdog-Laden. Schon früh wird angedeutet, dass die Hauptfigur eine Vergangenheit hat, über die nicht alles bekannt ist. Dazu kommen die merkwürdigen Bewohner und die Geheimnisse der Stadt. Die Umsetzung bleibt allerdings dünn. Die Geschichte wird als zusätzlicher Hintergrund eingesetzt, während der Schwerpunkt auf dem täglichen Betrieb des Ladens liegt. Die Geschichte wird am Ende sehr plötzlich abgeschlossen. Statt die offenen Fragen zu behandeln, kommt die Auflösung schnell. Das Ende fühlt sich deshalb nicht wie der Höhepunkt einer langen Entwicklung an, sondern eher wie ein harter Schnitt.
Wenn ich die beiden Seiten von "Meat Grinder" gegenüberstelle, bleibt die Tagschicht klar stärker. Das liegt nicht daran, dass das Kochen besonders spannend wäre. Es liegt daran, dass hier mehrere kleine Systeme ineinandergreifen. Du musst Kunden bedienen, Bestellungen abarbeiten, Zutaten im Auge behalten, Geld verdienen und später zusätzliche Stationen betreiben. Das reicht für einige Spielstunden. Die Nächte sind dagegen trotz grausigem Thema langweilig. Das größte Problem des Spiels ist generell die begrenzte Tiefe. Die einzelnen Tätigkeiten funktionieren. Die Kombination ist anfangs unterhaltsam. Die Grafik hat einen eigenen Stil und die Geschichte sorgt für einen Grund, weiterzumachen.
Irgendwann wird aber klar, dass hinter der ungewöhnlichen Idee kein besonders umfangreiches System steckt. Das ist auch an der Progression zu erkennen. Du kannst mit dem verdienten Geld deinen Betrieb erweitern. Zusätzliche Stationen für Getränke und Pommes bringen neue Arbeitsschritte. Außerdem gibt es weitere Gegenstände, darunter auch eine Kettensäge. Das sorgt für eine gewisse Entwicklung, bleibt aber überschaubar. Die Spielzeit fällt entsprechend knapp aus. Der komplette Ablauf lässt sich in ungefähr zweieinhalb bis drei Stunden erleben. Eine deutlich längere Kampagne hätte vermutlich nicht automatisch mehr Spaß bedeutet. So aber kommen die vorhandenen Ideen schon während der kurzen Laufzeit an ihre Grenzen.
Im normalen Betrieb funktioniert die Steuerung direkt. Sobald mehrere Dinge gleichzeitig passieren, zeigt sich aber, dass die Interaktion nicht überall gleich sauber umgesetzt wurde. Das betrifft vor allem Stationen, an denen mehrere Gegenstände bereitliegen. Dann kann ein kleiner Fehlgriff ausreichen, um den Arbeitsfluss zu unterbrechen. Bei einem Simulator, der gerade vom schnellen Abarbeiten mehrerer Aufgaben lebt, ist das ärgerlich. Dazu kommt das Aufräumen. Schmutz und Müll sind Teil des Arbeitsablaufs, sorgen aber nicht für Abwechslung. Hier merkt man, dass das Spiel bei manchen Tätigkeiten stärker auf Wiederholung setzt, als es für den Spielfluss gut wäre. Hektische Momente machen mehr Spaß als die Routinearbeiten.
Inhaltlich richtet sich "Meat Grinder" an ein erwachsenes Publikum. Das Spiel enthält intensive Gewaltdarstellungen im PSX-Stil. Dazu kommen Themen wie Alkohol, Drogen, BDSM und Selbstverletzung. Das sollte man wissen, bevor man das Spiel startet. Die technischen Anforderungen sind indes sehr niedrig. Was am Ende bleibt? "Meat Grinder: Hotdog Simulator" hat eine Idee, die besser klingt, als sie gespielt und behandelt wird. Nach rund drei Stunden ist im Wesentlichen alles erzählt, was "Meat Grinder" erzählen will. Und spätestens dann fällt auf, dass aus dem ungewöhnlichen Konzept kein besonders umfangreiches Spiel geworden ist. Wer genau diese Mischung sucht, kann damit aber einen unterhaltsamen Abend verbringen.