Dating-Apps, Gruppenchats, Reddit-Posts und ideologische Online-Debatten – die digitale Welt prägt unseren Alltag. Doch was macht sie mit uns? Der amerikanische Autor Tony Tulathimutte hat darauf eine literarische Antwort.
Sein jetzt auf Deutsch erschienenes Buch "Fiasko" versammelt Geschichten von Menschen, die durchgängig einsam und selbstbezogen sind – und fest davon überzeugt, dass ihnen die Welt etwas schuldet.
Die Figuren formulieren ihre Einsamkeit als gesellschaftliche Anklage, wie heise online unter Berufung auf dpa berichtet. Ein junger Mann inszeniert sich als Frauenversteher, um nach mehreren Zurückweisungen seine sexuelle Erfolglosigkeit wütend den Frauen anzulasten. Eine unglücklich Verliebte steigert sich in zerstörerische Obsession.
Die eigentliche Kunst in "Fiasko" liegt in der Beweglichkeit der Sprache. Präzise bildet Tulathimutte den Ton der Online-Welt nach. Wiederkehrende Motive wie die Incel- oder Nice-Guy-Szene ziehen sich durch die Erzählungen.
Als etwa der Streit in einer Chatgruppe eskaliert, schreibt eine der Frauen: "nur gute vibes in diesem space hier pls, ich spiel ja hier nicht gern die mimose aber dieser konflikt ist nicht so geil für meine psyche tbh".
Das Buch erscheint bei dtv und kostet 24 Euro. Wer die digitale Gegenwart verstehen will, findet hier schonungslose Einblicke.