"Auf einmal laufen Elefanten auf einen zu!" Staunend nimmt Sissi die Virtual-Reality-Brille ab. Sekunden zuvor stand die Seniorin noch mitten in einem virtuellen Dschungel. "Für mich ist das fast ein Wunderwerk", sagt die 82-Jährige.
Beim "Digitalen Erlebnistag" im Pensionistenwohnhaus Gustav Klimt gab es viele solcher Momente. Dabei wurden Smartphones, Künstliche Intelligenz, Videospiele und virtuelle Welten zum Treffpunkt zweier Generationen.
Rund 220 Bewohner leben derzeit im Haus Gustav Klimt. Viele von ihnen nutzten die Gelegenheit, digitale Technologien ganz ohne Druck auszuprobieren. Unterstützt wurden sie dabei von Jugendlichen des Vereins T.I.W. – Training Integration Weiterbildung, die im Rahmen des Projekts "Digital Coach – GenConnect" zu digitalen Wissensvermittlern ausgebildet werden.
"Es geht darum, Jugendliche als Digital Coach zu befähigen, älteren Menschen moderne Technologien zu zeigen und die Jugendlichen in eine Expertenrolle zu setzen", erklärt Daniela Weinholtz von der Initiative "qualitätszeit". "Das ist für sie eine wichtige Bildungserfahrung und fördert gleichzeitig den Austausch zwischen den Generationen."
An den verschiedenen Stationen wurde ausprobiert, gelacht und gestaunt. Mit KI wurden Fotos bearbeitet und neue Bilder erstellt. Auf der Nintendo Switch lief ein Badminton-Match. Andere Bewohner erkundeten mit Google Maps fremde Orte oder setzten erstmals eine VR-Brille auf.
Eine der erfahrensten Bewohnerinnen ist Gertrud. Seit 21 Jahren lebt sie bereits im Haus Gustav Klimt. "Ich gehöre quasi zum Inventar", sagt die 90-Jährige lachend. Auch sie wagte sich an die VR-Brille. Das Urteil fällt positiv aus: "Interessant, lustig und nett herumzuprobieren." Besonders ein virtueller Wasserfall habe Eindruck hinterlassen. Bei der KI-Bildbearbeitung bleibt die 90-Jährige allerdings pragmatisch. "Ist nett, aber nicht notwendig." Einen Computer besitzt sie nicht, nur ein einfaches Handy. "Mehr brauche ich nicht." Und wenn doch einmal technische Hilfe nötig ist? "Dann frage ich Freunde und Bekannte."
Salma, Viny und Oussi (alle 17) beantworteten geduldig jede Frage. "Die meisten finden cool, die Dinge auszuprobieren. Uns macht das viel Spaß und es ist schön, wenn jüngere und ältere Menschen zusammenkommen und voneinander lernen können", sagen sie.
Die drei werden vom Verein T.I.W. beim Einstieg ins Berufsleben unterstützt. "Im Projekt 'Ausbildungsfit' werden sozial benachteiligte Jugendliche zu Expertinnen und Experten sowie Vermittlern", betont Andreas Pollak, Geschäftsführer des Vereins T.I.W. Das grundsätzliche Ziel des Vereins ist es, dass die betreuten Jugendlichen auf den Jobmarkt vorbereitet werden und einen Arbeitsplatz oder eine Lehrstelle bekommen.
Für Hausdirektor Gerhard Schlachter ist das Projekt ein wichtiger Baustein moderner Seniorenarbeit. "Unsere Senioren sollen den Anschluss an die heutige Zeit nicht verlieren", sagt er. "Es ist wichtig, immer am Ball zu bleiben und zu schauen, was sich tut."
Dabei seien die Voraussetzungen höchst unterschiedlich. "Wir haben Bewohner, die haben keine Ahnung von Technik, und wir haben Bewohner, die ein Equipment besitzen, das ich selbst gerne zuhause hätte", erzählt Schlachter schmunzelnd.