Die deutsche Bundesärztekammer will durchgreifen: Patienten, die sich ohne Überweisung direkt beim Facharzt anmelden, sollen in Zukunft mit Nachteilen rechnen müssen. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer, macht sich für ein strengeres System stark.
"Wer sich nicht an sinnvolle Spielregeln hält, sollte erleben, dass er im Zweifel länger wartet als jemand, der genauso krank ist, aber die Spielregeln eingehalten hat", erklärte Reinhardt. Am Ende könnten auch "finanzielle Mechanismen" zum Einsatz kommen.
Wie es beim Spiegel unter Berufung auf die Funke Mediengruppe heißt, äußerte sich der Ärztekammer-Chef im Rahmen eines Gesetzesvorhabens der deutschen Bundesregierung aus CDU und SPD. Diese plant ein System der Primärversorgung, bei dem Hausärzte als erste Anlaufstelle dienen sollen.
Hintergrund ist das sogenannte Beitragssatzstabilisierungsgesetz, das Anfang Juli von Bundestag und Bundesrat gebilligt wurde. Das milliardenschwere Sparpaket soll die gesetzlichen Krankenkassen entlasten und Versicherte vor höheren Beiträgen bewahren.
Deutschland liegt mit rund zehn Arzt-Patienten-Kontakten pro Jahr europaweit an der Spitze. Auch bei den stationären Fällen ist man mit 220 je 1000 Einwohner weltweit führend. Reinhardt sieht das als Folge des "völlig ungeregelten Zugangs zu Gesundheitsleistungen".
Die Einschnitte würden für alle spürbar werden, prophezeit der Ärztekammer-Chef. Mediziner müssten künftig stärker darauf achten, wer die Versorgung vordringlich braucht - ein System, das durchaus auch in Österreich diskutiert werden könnte.