Der Fall um Buckelwal "Timmy" sorgt für die nächste überraschende Wendung. Wochenlang galt der vor der dänischen Insel Anholt angeschwemmte Kadaver als jener Wal, der zuvor vor der deutschen Ostseeinsel Poel für Schlagzeilen gesorgt hatte. Eine DNA-Analyse soll dieses Bild nun völlig verändern.
Nach Informationen der "Bild" stimmen zwei DNA-Proben nicht überein. Eine Probe stammt aus Gewebe, das bei der Befestigung eines Ortungssenders an Timmy entnommen wurde. Eine zweite wurde später vom toten Wal auf Anholt genommen. Das Ergebnis soll am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Hamburg präsentiert werden.
Damit stellt sich plötzlich die Frage: Lebt "Timmy" womöglich noch? Ganz geklärt ist das allerdings nicht. Für die Entnahme der DNA-Proben gab es laut Bericht keine unabhängigen Zeugen. Weder das zuständige Ministerium in Mecklenburg-Vorpommern noch das Meeresmuseum in Stralsund sammelten eigenes Vergleichsmaterial. Auch der Versand der Proben ins Labor wurde demnach nicht unabhängig überwacht, berichtet die "Bild".
Offen ist zudem, wie die Proben gelagert wurden. Fehler oder Verfälschungen können deshalb laut Bericht nicht ausgeschlossen werden. Gleichzeitig soll die Qualität der DNA-Auswertung bei 99 Prozent liegen, berichtet die deutsche Boulevardzeitung.
Mehrere Indizien sprechen allerdings weiterhin dafür, dass der auf Anholt gefundene Kadaver tatsächlich "Timmy" war. So wurde am toten Tier der zuvor angebrachte Wal-Tracker entdeckt. Auch die aufgezeichneten Positionsdaten sollen laut Experten des Umweltministeriums darauf hindeuten, dass Timmy dort angeschwemmt wurde.
Hinzu kommen mehrere übereinstimmende Verletzungen. Der Kadaver wies laut Bericht dieselben Auffälligkeiten auf wie "Timmy" vor seiner Freilassung, darunter tiefe Wunden an der Schwanzflosse.
Auch Wal-Forscher Fabian Ritter hält den toten Wal anhand von Fotos für "Timmy". "Es handelt sich um dasselbe Individuum. Man erkennt ganz klar den individuellen Kantenverlauf am hinteren Ende der Fluke", stellt der Experte in der "Bild" klar.
Der Fall war allerdings schon zuvor von zahlreichen Ungereimtheiten geprägt. Unklar ist bis heute, wer die Freilassung des Wals veranlasste. Kurz danach soll der Ortungssender nur noch unbrauchbare Daten geliefert haben. Später erklärte Wal-Experte Jeff Forster vom "Free Willy"-Team, doch 50 Positionsdaten erhalten zu haben.
Auch auf Anholt sorgte der Fund des Kadavers für neue Fragen. Der gestrandete Buckelwal wurde zunächst als weiblich eingestuft, obwohl "Timmy" zuvor als männlich galt. Außerdem wurde der Ortungssender nicht sofort gefunden, sondern erst später mit Unterstützung der Tierärztin Anne Herrschaft und eines dänischen Tauchers geborgen.
Ob "Timmy" tatsächlich noch lebt oder ob das DNA-Ergebnis auf einen Fehler zurückzuführen ist, bleibt vorerst offen. Fest steht nur: Der Fall wirft mehr Fragen auf, als er beantwortet.