Seit 2017 war Schöttel für Österreichs Fußballverband tätig – anfangs als U19-Teamchef, nach wenigen Monaten übernahm Schöttel, immerhin Ex-Teamspieler und Teilnehmer an der WM 1998, die Rolle des Sportdirektors. Am Freitag folgte dann aber die Trennung, das Schöttel-Aus wurde bei einer Aufsichtsratssitzung am ÖFB-Campus in Wien beschlossen. Zuvor hatte Teamchef Ralf Rangnick die WM-Analyse vorgenommen, nicht Schöttel. Schon das hatte Ablöse-Spekulationen ausgelöst.
In der offiziellen ÖFB-Mitteilung war von "unterschiedlichen Vorstellungen hinsichtlich der künftigen strategischen Ausrichtung und Ausgestaltung der Position" die Rede. Schnell kamen Spekulationen auf. Ist Teamchef Rangnick gar für die Ablöse des 59-Jährigen verantwortlich? War der Deutsche, wie mehrfach kolportiert, mit Schöttels Arbeit nicht restlos zufrieden? Als Sportdirektor hat der Ex-Teamspieler Rangnick 2022 ja zum ÖFB gelotst.
In einer ersten Reaktion gab sich Schöttel von seiner Ablöse im "ORF" jedenfalls "überrascht". Es habe "in den letzten Wochen das eine oder andere Thema" gegeben, "wo man unterschiedlicher Meinung war. Aber darauf war ich nicht vorbereitet", erklärte der 59-Jährige.
Die Spekulationen um Teamchef Rangnick, der kurz vor dem WM-Auftakt beim ÖFB bis 2028 verlängert hatte, wischte Schöttel derweil beiseite. "Ich weiß, aus welcher Richtung es kommt. Der Grund, dass ich nicht mehr beim ÖFB bin, liegt definitiv nicht bei Ralf Rangnick", meinte der Ex-Rapid-Kicker. Wen er meinte, ließ Schöttel offen.
Dafür sickerte nun durch, dass die Differenzen zwischen Rangnick und Schöttel nicht für die Ablöse des 59-Jährigen verantwortlich sein sollen. Vielmehr hätten die so mächtigen Landesverbandspräsidenten über das Schöttel-Aus entschieden, berichtet zumindest Peter Linden. Dem Ex-Sportdirektor war mangelnde Kommunikation vorgeworfen worden. Außerdem habe es im August bei einer Trainertagung in Saalfelden eine "Eskalation" gegeben. Die Sportchefs der Länder hätten demnach auf Initiative des steirischen Vertreters Walter Hörmann die Schöttel-Absetzung in einem Brief gefordert.
Ob es die Aufklärung durch den ÖFB-Aufsichtsratsvorsitzenden Josef Pröll am Montag gibt? Fraglich. Da wird jedenfalls im Rahmen der Kader-Bekanntgabe für die Nations League das weitere Vorgehen kommuniziert. Mit Ex-Teamspieler Sebastian Prödl, der auch bei Rangnick hohes Ansehen genießt, scheint der Nachfolger bereits parat zu stehen.