Do&Co-Chef: "Nicht jammern, sondern Gehälter erhöhen"

Attila Dogudan fordert bessere Arbeitsbedingungen.
Attila Dogudan fordert bessere Arbeitsbedingungen.picturedesk.com
Nach den Bäckereien Szhin und Felber meldet sich nun Do&Co-Chef Attila Dogudan zur Debatte um den Personalmangel zu Wort. Er fordert bessere Gehälter.

Mit ihrer Aussage, dass 90 Prozent der Bewerber und Bewerberinnen gar nicht arbeiten wollen, sondern lieber Arbeitslosengeld beziehen würden, schlug Felber-Chefin Doris Felber Wellen. "Durch die Pandemie ist es noch schwieriger geworden Personal zu finden. Ich musste bereits fünf Filialen schließen", erklärte Felber im "Heute"-Interview. Auch die Bäckerei Szihn sucht seit Monaten nach Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen.

Für eine Vollzeitstelle im Verkauf zahlen beide Unternehmen nach dem Kollektivvertrag der Bäckereien. Das sind etwa 1.500 Euro brutto. Als "Ausbeuter" sehen sich die beiden Bäckereien jedoch nicht. "Wenn es eine tüchtige Arbeitskraft ist, dann gibt es beim Gehalt viel Spielraum nach oben. Das muss man sich aber erst erarbeiten", so Felber. AK-Präsidentin Renate Anderl konterte: "Wer sich über Personalmangel beklagt, muss zuerst für faire Arbeitsbedingungen sorgen, dann wird es auch keine Probleme geben, geeignetes Personal zu finden."

Höhere Gehälter, bessere Arbeitszeiten

Für faire Arbeitsbedingungen ist auch Do&CO-Chef Attila Dogudan. "Die Wahrheit ist, dass alle Branchen leiden. Alles was mit Tourismus und Gastronomie zu tun hat leidet aber mehr. Die Sozialprestige dieser Industrie ist überschaubar. Die Arbeitszeiten, am Abend und Wochenende, sind für viele nicht attraktiv. Wir müssen aber am Abend und Wochenende arbeiten, das liegt in der Natur der Sache", so Dogudan. Laut dem Gastronom muss aber "jeder seine zwei Tage frei haben und das Gesamtpaket muss so gut sein, dass der Einzelne sagt: Das mache ich gerne."

"Man braucht nicht herumjammern, sondern muss die Arbeitsbedingungen massiv verbessern und die Gehälter ordentlich anheben, damit die Menschen überhaupt wieder in diesem Job arbeiten wollen." 

Was man tun kann, um mehr Personal zu bekommen, liegt für den 61-Jährigen auf der Hand. "Man braucht nicht herumjammern, sondern muss die Arbeitsbedingungen massiv verbessern und die Gehälter ordentlich anheben, damit die Menschen überhaupt wieder in diesen Jobs arbeiten wollen." Laut Dogudan reicht es bei weitem nicht, nur nach dem Kollektivvertrag zu bezahlen. "Wir als Betrieb versuchen da umzudenken und gute Bedingungen zu schaffen." Eine Bäcker-Vollzeitstelle ist derzeit mit mindestens 2.200 Euro brutto ausgeschrieben, inklusive Überstundenpauschale und ohne Nachtarbeit. "In höheren Positionen, zum Beispiel ab dem Oberkellnerniveau, haben wir eine Verdoppelung im Lohn."

Bäckereien wie Szihn & Co. erklärten, dass man bei einer deutlichen Erhöhung der Gehälter auch die Preise der Waren deutlich anheben müsse – das sei nicht machbar. Laut Dogudan ist eine Anhebung der Preise aber notwendig. "In Österreich sind wir gewohnt für Essen, egal in welcher Kategorie, weniger auszugeben, als in anderen Ländern. In Österreich zahlt man ein Drittel weniger als zum Beispiel in London oder Paris."

Neue Konzepte, mehr Personal

Nicht nur in Restaurants oder Bäckereien braucht es laut dem Do&Co-Chef Nachholbedarf. "Jeder redet über faire Entlohnung, aber niemand ist bereit den Preis dafür zu bezahlen. Man braucht sich nur ansehen, für wie wenig Geld Fleisch im Supermarkt angeboten wird. Allgemein werden die Einkommen hochgehen müssen, um für gute Ware mehr bezahlen zu können."

"Jeder redet über faire Entlohnung, aber niemand ist bereit den Preis dafür zu bezahlen." 

Die Pandemie sorgte bei Do&Co für zwei herbe Verlustjahre. Neben Kurzarbeit gab es in den Hauptzweigen Luftfahrt und Gastronomie weltweit über 4.000 Kündigungen. "Es gab in dieser Phase der Pandemie keine andere Möglichkeit, sonst hätten die restlichen 8.000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen auch ihren Job verloren." Mittlerweile blickt Dogudan wieder positiv in die Zukunft, obwohl er eine vierte Welle nicht ausschließt. "Wir haben uns darauf vorbereitet, aber ich denke es wird nicht mehr in dem Ausmaß sein, wie es im letzten Jahr war", so der 61-Jährige, der wieder "volle Kanne" Personal in den verschiedensten Bereichen anstellt. 

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