Den deutschen Anti-Doping-Experten Werner Franke haben die positiven Tests der Sprintstars Tyson Gay (USA) und Asafa Powell (Jamaika) nicht überrascht. Er bezeichnet die Sportart als "total versaut" und wirft dem Weltverband IAAF, der "eine Klatsche" habe, eine geringe Wirksamkeit der Tests vor.
Den deutschen Anti-Doping-Experten Werner Franke hat nicht überrascht. Er bezeichnet die Sportart als "total versaut" und wirft dem Weltverband IAAF, der "eine Klatsche" habe, eine geringe Wirksamkeit der Tests vor.
"Mich hat überrascht, dass es so lange gebraucht hat, um überhaupt etwas zu finden. Das hat aber damit zu tun, dass nach wie vor - was ich ja ständig moniere - die Dopingkontrollen in mehrfacher Weise unintelligent sind", sagte der 73-jährige Heidelberger am Montag in einem Interview. "Diese Art von Sport ist total versaut, weil schon niemand allein in die Spitze kommt, der nicht drauf ist."
Skeptisch äußerte sich Franke zu den Leistungen und der Ausnahmestellung von 100- und 200-m-Weltrekordler Usain Bolt. "Es mag ja sein, dass es so etwas gibt, ausschließen tue ich das natürlich nicht", sagte er über den sechsfachen Olympiasieger, der bei Kontrollen noch nie aufgefallen ist. "Es hat sich nur meist in solchen Fällen nach Jahren etwas anderes herausgestellt."
Doping im Training entscheidend
Entscheidend sei, dass viele Sprinter der Spitzenklasse EPO im Training nehmen würden, bemängelte der Krebsforscher. "Man kann damit eine Trainingsdichte erreichen, von der man früher nur träumen konnte. Wenn man so ein Training machen kann, dann gibt's auch andere Zeiten. Man hat dann eben mehr rote Blutkörperchen, da kann man eine ganz andere Leistungsdichte aufweisen."
Franke zweifelt die Wirksamkeit der Tests in der internationalen Leichtathletik an. "Jetzt passen die Athleten zwar ein bisschen auf, weil es die Blutpässe gibt. Da bleibt man halt ein bisschen unter den Werten, solche Dinge sind ganz und gebe", erklärte er. Die Reaktion des Weltverbandes IAAF auf die Fälle Gay und Powell, wonach jeder aufgedeckte Fall die Glaubwürdigkeit des Kontrollsystems stärke, kommentierte Franke mit harschen Worten: "Die IAAF hat einen an der Klatsche, damit bin ich auch zitierbar. Das haben sie schon vor zig Jahren gesagt."
Leichtathletin Schrott entsetzt
Österreichs Top-Hürdenläuferin Beate Schrott sagte, sie sei "sogar ein bisschen schockiert". Das liege nicht nur an den Nachrichten aus Übersee: "Es sind wahnsinnig viele Dopingfälle in der Türkei, sodass sie überlegen, eine ganze Nation von der WM auszuschließen. Einerseits ist es positiv, weil ich mir denke, die ganzen Betrüger sind jetzt mal weg. Andererseits frage ich mich, wie gibt es das, dass sie auf einmal dreißig Leute erwischen? Was war davor? Das ist beunruhigend als Sportler. Ich meine, die haben ja nicht alle jetzt zum Dopen begonnen. Ich verstehe es einfach nicht."
Sie haben daran geglaubt, der Sport sauberer wird, sehe aber nun das Gegenteil. "Es ist als Sportler schwierig, weil man sich denkt, man kämpft nicht nur gegen bessere Sportler, sondern gegen Betrüger."