"Wieder Österreicher und Osteuropäer erwischt"

Nicht nur in Österreich sorgt der Doping-Skandal von Seefeld für Schlagzeilen. "Heute" hat den Überblick.
Bei der Nordischen Ski-WM in Seefeld kam es im Zuge der "Operation Aderlass" zu einer großräumigen Razzia in Österreich und Deutschland. Das Resultat waren neun Festnahmen, darunter auch zwei ÖSV-Athleten.

Die internationale Presse reagiert einheitlich schockiert. "Wieder hat es Österreicher und Osteuropäer erwischt", hielt die "FAZ" fest. Die beiden Österreicher Dominik Baldauf und Max Hauke bekommen dabei das meiste Fett ab.

"Wieder hat es Österreicher und Osteuropäer erwischt. Fast so wie 2006 in Turin während der Olympischen Winterspiele", schreibt beispielsweise die "FAZ".

CommentCreated with Sketch.1 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. In der "Stuttgarter Zeitung" steht: "Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, wie dreist manche Athleten lügen, dann lieferte ihn Dominik Baldauf."

"Bei Ösi-Langläufer steckte die Bluttransfusion noch im Arm!" meldet die "Blick".

"Für den Österreichischen Skiverband (ÖSV) ist mit der Festnahme Haukes und Baldaufs der Worst Case eingetreten", so die "Neue Zürcher Zeitung".

Die Internationalen Pressestimmen im Überblick:

DEUTSCHLAND

"Bild": "Riesen-Schlag gegen die Dopingszene. 16 Hausdurchsuchungen und neun Festnahmen durch die deutsche und österreichische Polizei. Mittendrin ein deutscher Arzt. Ist er sogar der Kopf eines Doping-Rings mit Sportlern aus verschiedenen Ländern?"

"Süddeutsche Zeitung": "An der Nadel. Im Hauptberuf Arzt, im Nebenjob Tankwart. Das ist also immer noch ein gängiges Erwerbsmodell im Hochleistungssport. Mediziner behandeln in ihrer Praxis Bluthochdruck und schienen Gelenke - und wenn dann irgendwo Weltmeisterschaft ist, gehen sie mit der Bluttankstelle auf Reisen, wie jetzt gerade bei der Nordischen Ski-WM in Seefeld. Als am Mittwoch die Ermittler des österreichischen Bundeskriminalamts anrückten zur groß angelegten Dopingrazzia, hatte ein Langläufer noch die Nadel in der Vene."

"Frankfurter Allgemeine Zeitung": "Wieder hat es Österreicher und Osteuropäer erwischt. Fast so wie 2006 in Turin während der Olympischen Winterspiele: Polizei, Staatsanwälte, Razzien, Festnahmen und Flucht im Lager der Nordischen bei den Nachbarn: Aber die Deutschen liefen trotz Hinweisen munter weiter. Es gab keine gerichtsfesten Belege, keine positiven Proben. (...) Der österreichische Tischnachbar reagierte auf die Nachricht von seinen nun schwer verdächtigen jungen Landsleuten mit dem Hinweis auf die Festsetzung des deutschen Arztes."

"Stuttgarter Zeitung": "Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, wie dreist manche Athleten lügen, dann lieferte ihn Dominik Baldauf. Nach seinem unerwarteten sechsten Platz im WM-Teamsprint mit Max Hauke schrieb der österreichische Langläufer bei Instagram: 'Was kostet es eigentlich, Träume wahr werden zu lassen? Mut - nur Mut!' Vier Tage später wurden Baldauf und Hauke in Seefeld verhaftet, als Blutdoper. Bei einem der beiden steckte noch die Infusionsnadel im Arm, als die Polizei zugriff. Einen Sportler in diesem Moment zu erwischen, ist für Dopingfahnder ein Glücksfall, und auch ansonsten scheint die Beweiskette der Ermittler lückenlos zu sein. Sie reicht vom illegalen Dopinglabor in Erfurt bis zum Betrug vor Ort."

SCHWEIZ

"Berner Zeitung": "'Operation Aderlass' tauften österreichische und deutsche Polizeibehörden jenes Unterfangen, das die WM nun prägt. 120 Beamte waren den ganzen Tag im Einsatz. In Seefeld nahmen sie fünf Langläufer fest. Es sind die Österreicher Dominik Baldauf und Max Hauke, die Esten Andreas Veerpalu sowie Karel Tammjarv und Alexei Poltoranin. Der Kasache zählt zu den führenden Klassisch-Spezialisten und ist damit vom Quintett der große Name. (...) Zu diesem jüngsten Dopingskandal passt, dass die Polizei einen der beiden Österreicher im Teamhotel gar während der Rückführung seines Bluts erwischt haben soll."

"Blick": "Bei Ösi-Langläufer steckte die Bluttransfusion noch im Arm! (...) Unter den Festgenommenen sind fünf Sportler. Dazu zählen die Österreicher Dominik Baldauf und Max Hauke. Einer der beiden wird sogar auf frischer Tat erwischt. Er wird noch mit einer Bluttransfusion im Arm angetroffen und festgenommen! Daneben handelt es sich um zwei Esten und einen Kasachen. Andreas Veerpalu, Karel Tammjärv fehlten beim 15-km-Rennen gestern genauso wie Medaillenkandidat Alexei Poltoranin."

"Neue Zürcher Zeitung": Dopingrazzia erschüttert die WM in Seefeld. (...) Für den Österreichischen Skiverband (ÖSV) ist mit der Festnahme Haukes und Baldaufs der Worst Case eingetreten. Die österreichischen Langläufer waren bereits an den Olympischen Spielen 2002 und 2006 in Verruf geraten, 2014 in Sotschi wurde Johannes Dürr des EPO-Dopings überführt. In einem Buch, das im Januar erschienen ist, und in einer ARD-Dokumentation gesteht Dürr, auch Wachstumshormone genommen und Eigenblutdoping betrieben zu haben.

FRANKREICH

"France24": "Die nordische Ski-WM im österreichischen Seefeld wurde am Mittwoch durch Polizei-Razzien, die ein mutmaßliches Doping-Netzwerk anvisierten und neun Verhaftungen - darunter fünf Athleten - herbeiführten, erschüttert."

ESTLAND

"Postimees": "Veerpalu und Tammjärv haben ihren moralischen Kompass verloren. Doping hängt wie ein ekelhafter Fluch über dem Sport. Egal, was bei den Ermittlungen am Ende herauskommt - der Schaden ist geschehen. Nicht nur für Andreas Veerpalu und and Karel Tammjärv, sondern auch für Estland als Ganzes - und für den Sport."

FINNLAND

"Iltalehti": "Doping-Razzia erschüttert Österreich. Die Nordische Ski-WM in Seefeld wurde am Mittwoch von dunklen Wolken überschattet, als nach und nach Informationen über die von der Polizei durchgeführte Doping-Razzia bekannt wurden."

SCHWEDEN

"SVT Online": "Sport ohne Doping ist ebenso eine Utopie wie eine Welt ohne Kriminalität. Wenn jetzt ein Dopingskandal die Nordische Ski-WM in Seefeld erschüttert, dann zeigt das wieder einmal auf, dass der Kampf gegen das Doping auch außerhalb der Sportwelt geführt werden muss.

NORWEGEN

"Verdens Gang": "Der absurde WM-Tag: So schön - und so schrecklich. Das Janusgesicht des Sports hätte nicht deutlicher zutage treten können, als an diesem Mittwoch bei der Nordischen Ski-WM. Der Tag begann wie üblich mit Postkarten-Sonnenschein. Doch schon bald würden über Seefeld die schwärzesten Schatten aufziehen, die der Sport zu bieten hat."

(Heute Sport)

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