Drama um Baby am Flughafen Kabul: Eltern verzweifelt

Afghanistan Baby
Afghanistan BabyAsvaka News Agency/Screenshot Twitter
Die Afghanistan-Krise bringt täglich neue Tragödien hervor. Jetzt wird das Schicksal eines Säuglings bekannt. Die Eltern suchen verzweifelt nach ihm.

Menschenmassen, Tumult, Panik: Nach dem Einmarsch der Taliban herrschte auf dem Flughafen in der afghanischen Hauptstadt pures Chaos. Laut der afghanischen Agentur "Asvaka News" ging dabei auch das Baby eines afghanischen Paares verloren. Mit einem Aufruf in den sozialen Medien haben sich die Eltern des sieben Monate alten Säuglings nun an die Agentur gewandt, um nach ihrem Kind zu suchen. Sie bitten ihren Suchaufruf zu verbreiten. 

Auf der Facebook-Seite des Nachrichtenportals wurde das entsprechende Posting bereits mehr als 800 Mal geteilt. Viele User aus dem arabischen Raum drücken den beiden Eltern ihr Mitgefühl aus. Weitere Informationen über den Vermisstenfall sind derzeit nicht bekannt. 

2.200 Personen bereits aus Afghanistan evakuiert

In Afghanistan sind nach dem Anlaufen der Evakuierungen nach Angaben aus Sicherheitskreisen über 2.200 Diplomaten, Ausländer und Ortskräfte vom Militär ausgeflogen worden. "Wir machen zügig weiter", sagte ein Diplomat am Mittwoch gegenüber Medienvertretern. Jedoch mehren sich Zweifel, dass möglichst alle Ortskräfte aus dem Land gebracht werden können, die westlichen Ländern geholfen haben und mögliche Racheakte der Taliban fürchten. Deutschland und Frankreich schickten indes weitere Flugzeuge.

Die deutsche Bundeswehr plant für Mittwoch vier Flüge nach Kabul und zurück. In der Nacht auf Mittwoch landete die erste Lufthansa-Maschine mit Evakuierten aus Afghanistan in Frankfurt. An Bord befanden sich rund 130 Personen. Im Rahmen einer Luftbrücke und in Abstimmung mit der deutschen Bundesregierung sollen in den nächsten Tagen weitere Sonderflüge aus Taschkent, Doha oder anderen Anrainerstaaten zur Evakuierung der Menschen aus Afghanistan durchgeführt werden, teilte die Lufthansa mit. Die deutsche Regierung beschloss am Mittwoch einen bis September dauernden Einsatz von bis zu 600 Bundeswehrsoldaten für die Evakuierungsaktion in Kabul.

Luftbrücke für Afghanistan-Rettungsaktion

Frankreich flog in der Nacht auf Mittwoch weitere 216 Menschen aus Afghanistans Hauptstadt Kabul aus. An Bord der zweiten französischen Maschine ins Golf-Emirat Abu Dhabi waren neben 184 Afghanen und 25 Franzosen auch Menschen aus den Niederlanden, Kenia und Irland, wie Außenminister Jean-Yves Le Drian in Paris mitteilte. Damit sei es gelungen, einen Großteil der Franzosen und Afghanen auszufliegen, die sich vor den militant-islamistischen Taliban ins französische Botschaftsgebäude geflüchtet hatten. Eine erste Gruppe von 41 Franzosen und anderen Staatsangehörigen war bereits am Dienstagnachmittag in Paris gelandet.

Italien will ebenfalls eine Luftbrücke zur Evakuierung von Menschen aus Afghanistan einrichten. Das erste Flugzeug mit 85 Menschen an Bord - darunter frühere afghanische Mitarbeiter und ihre Familien - werde am Mittwoch am Flughafen Rom-Fiumicino landen, teilte das Verteidigungsministerium mit.

Chaos macht Rettern Einsatzkräften Strich durch die Rechnung

Jedoch gab es erneut Probleme am Flughafen in Kabul. Chaos verhinderte das Ausfliegen niederländischer Ortskräfte. "Es ist schrecklich. Viele standen mit ihren Familien vor den Toren des Flughafens", sagte Außenministerin Sigrid Kaag. Ein mit anderen nordeuropäischen Ländern gemeinsam betriebenes Militärflugzeug habe Kabul deshalb nahezu leer wieder verlassen müssen.

Hunderte Menschen harrten weiterhin rund um den Flughafen in Kabul aus, berichteten Augenzeugen der dpa. Kinder, Frauen und Männer hielten sich in den Straßen um das Flughafengelände auf. Viele hätten dort auch übernachtet. Viele Afghanen versuchen aktuell, das Land zu verlassen. Allerdings ist der Flughafen nur eingeschränkt in Betrieb. Unklar war, ob es neben den Evakuierungsflügen am Mittwoch auch wieder kommerzielle Flüge gab oder geben sollte.

In der Stadt kursieren fälschlicherweise Gerüchte, wonach alle, die es auf den Flughafen schaffen, auch evakuiert werden. Deshalb fahren viele Menschen dorthin. Sie versuchen über Sprengschutzmauern oder anderen Wegen, auf das Gelände zu kommen. Am Mittwoch hieß es, das US-Militär entscheide abhängig von der jeweiligen Lage über Öffnung und Schließung bestimmter Zugänge zum Flughafen.

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