Seit Mai stehen drei Autos der Marke Jaguar der Modellreihe S auf der Autoraststätte Heidiland. "Die Autos sind seit bald fünf Monaten und damit schon ungewöhnlich lange auf der Raststätte abgestellt", berichtete die Zeitung Südostschweiz kürzlich. "20 Minuten" hat sich vor Ort umgeschaut und mit Mitarbeitern und Nutzern der Raststätte gesprochen. Einigen sind die drei typengleichen Autos ganz am Ende des Parkplatzes schon aufgefallen, anderen gar nicht.
Ein Mitarbeiter kennt Gerüchte über die mysteriösen Luxusautos. Bevor die Autos beim Heidiland abgestellt wurden, seien diese im Tessin gestanden und waren mit Zürcher Kontrollschildern bestückt. Diese wurden irgendwann von der Polizei auf dem Parkplatz in Maienfeld abmontiert.
Gehören sollen die Autos einem bärtigen Zürcher, sagt Andy Flinn (64). Er ist Parkplatz-Abwart auf der Raststätte und plaudert gerne mit den Dauercampern auf dem Heidiland-Parkplatz – so auch mit dem Jaguar-Besitzer.
Bei den Gesprächen mit dem Jaguar-Besitzer schnappte Andy Informationen zu dessen Vergangenheit auf: "Der Zürcher war sehr erfolgreich, dann hat es ihn verblasen." Mit verblasen meint er, dass der Jaguar-Besitzer in finanzielle Schieflage geriet.
"Der Treuhänder sollte meine Straßenversicherung bezahlen, tat er aber nicht", so der Zürcher zu Andy. So solle der Besitzer unterdessen Schulden haben. "Ich riet ihm, die Autos zu verkaufen, um die Schulden zu tilgen", so Andy. "Aber jedes Angebot für die Jaguars war ihm zu niedrig." Es habe auf ihn so gewirkt, als ob sich der Mann nicht von den Autos lösen könne. "Die Autos haben wohl einen emotionalen Wert für ihn", vermutet Andy.
Die Jaguars sind in keinem Topzustand mehr: verwittert und schlecht gelagert. Andy schätzt das Alter der Autos auf rund 20 Jahre. "Für Oldtimer sind sie also noch zu jung."
Vor rund zwei bis drei Monaten verschwand der Zürcher von der Raststätte Heidiland. "Ich mache mir Sorgen um den Mann", so Andy.
Der Verwaltungsratspräsident der Raststätte, Leonhard Kunz, kann wenig zum Fall sagen: "Der Eigentümer ist wahrscheinlich irgendwo in Europa." Es passiere schweizweit oft, dass Autos auf Raststätten deponiert werden. Die Kantonspolizei Graubünden bestätigt, dass sie in diesem Fall vermittelt habe. Nun handle es sich um ein zivilrechtliches Verfahren. Die Raststätte müsse weitere Schritte einleiten gegen den Jaguar-Besitzer.