Nach dem tödlichen Paddel-Drama im Marchfeldkanal bei Gerasdorf im Bezirk Korneuburg ("Heute" berichtete) wird jetzt eine Frage immer lauter: War die gefährliche Wehranlage deutlich genug abgesichert?
Drei Männer waren nach einem Ausflug am Montag mit Stand-up-Paddles nicht mehr heimgekehrt. Am Donnerstag wurden ihre Leichen im Marchfeldkanal entdeckt und von Tauchern der Berufsfeuerwehr Wien geborgen. Die Kripo ermittelt aktuell nach der Todesursache, die Staatsanwaltschaft Korneuburg ordnete eine Obduktion an. Die Vermutung lautet aktuell, das Trio dürfte im Bereich der Wehranlage ins Strudeln geraten und in einem Wasserstrudel ertrunken sein.
"Heute" fragt bei Franz Steiner betreffend der Warnhinweise um die Wehranlage nach, er ist Geschäftsführer der Betriebsgesellschaft Marchfeldkanal. "Wir haben das Hinweisschild vor der Wehranlage mit einem Seil befestigt. Dort haben wir auch einen Abgang errichtet, also Stufen, wo Paddler sicher aus dem Wasser steigen und das Paddel an die andere Seite der Wehranlage ziehen können. Die Durchfahrt ist nämlich strengstens verboten. Auf der anderen Seite, wo man wieder vom Land in den Kanal einsteigen kann, ist auch noch einmal dasselbe Hinweisschild."
Ob die drei Männer tatsächlich in der Wehranlage ertrunken sind, ist nicht gesichert. Steiner betont aber: "Sollten die drei wirklich in die Anlage gepaddelt und dort ertrunken sein, dann müssen sie mutwillig die Absperrung missachtet und darüber gegangen sein. Das passiert nicht unabsichtlich."
Die Durchfahrt durch die Wehranlage ist verboten, das schreibt die Betriebsgesellschaft auch ausführlich auf ihrer Website. Im Bereich der Wehranlage können gefährliche Wasserwalzen und Unterströmungen entstehen, ganze Kanus und Boote können hier kentern. Steiner: "Die Wasserwalze in der Wehranlage ist lebensgefährlich. Das ist wie ein Strudel, der einen hineinsaugt. Da kommt man kaum mehr heraus."
Auffällig: Das angebrachte Hinweisschild ist rot-weiß-rot. Für Laien kann es auf den ersten Blick wie eine Österreich-Flagge wirken – ein gefährlicher Trugschluss. "Das rot-weiß-rote Schild ist keine Österreich-Flagge, sondern das internationale Verbotszeichen für Schifffahrt, das behördlich auch so vorgeschrieben ist. Wer in Gewässern unterwegs ist, weiß das auch", stellt Steiner klar.
Trotzdem denkt die Betriebsgesellschaft nach der dreifachen Tragödie jetzt weiter: "Wir überlegen, ein weiteres Hinweisschild anzubringen, das auch wirklich jeder versteht – einen Totenkopf zum Beispiel", sagt Steiner zu "Heute".
Für die drei jungen Männer kommt jede zusätzliche Warnung zu spät. Die Freunde sollen am Montag bei ihrem Paddel-Ausflug am Marchfeldkanal umgekommen und erst am Donnerstag im Rahmen einer großangelegten Suchaktion gefunden worden sein. Einer der Verstorbenen war ein 28-jähriger Afghane mit Wohnsitz in Wien.
Der Zweite war ein 27-jähriger Österreicher, auch er wohnte in Wien. Seine Mutter hatte am Mittwoch Alarm geschlagen, nachdem ihr Sohn von der Paddeltour nicht zurückgekommen war. Danach suchten Einsatzkräfte mit Drohne, Diensthunden, Wasserpolizei, Feuerwehr und Hubschrauber nach den Vermissten. Die Identität des dritten Toten wird weiterhin ermittelt.
Die tödliche Gefahr an der Wehranlage ist laut Betreiber nicht neu: An einer Stelle, beim sogenannten Überfall, entsteht eine Wasserwalze, also ein gefährlicher Strudel. 5.000 Liter stürzen hier binnen einer Sekunde hinab – ein Entkommen ist unwahrscheinlich.
Laut Steiner gab es an der Wehranlage schon einmal einen tödlichen Unfall in der Wehranlage. "Vor etwa 30 Jahren kurz nach der Errichtung gab es zuletzt einen Fall, wo jemand in der Wehranlage zu Tode gekommen ist. Seitdem kam es zu keinen Vorfällen."