Der Fall ist erschütternd: Im Marchfeldkanal bei Gerasdorf (Korneuburg) wurden am Donnerstag drei tote Männer entdeckt. Die jungen Wiener galten zuvor als vermisst, nachdem sie am Montag von einem gemeinsamen Ausflug nicht mehr heimgekehrt waren – "Heute" berichtete.
Den entscheidenden Anstoß für die Suche gab die Mutter einer der Männer. Weil ihr Sohn und seine Begleiter nicht zurückkamen, erstattete sie am Mittwoch Vermisstenanzeige bei der Polizei. Laut bisherigen Infos waren die drei am Montag mit Stand-up-Paddels unterwegs gewesen.
Am Mittwochabend lief schließlich ein Großeinsatz an. Feuerwehr, Berufsfeuerwehr Wien, die Feuerwehr Deutsch-Wagram, Großebersdorf und Gerasdorf sowie die Polizei suchten den Bereich rund um den Marchfeldkanal nach den verschwundenen Männern ab. In der Nacht musste der Einsatz unterbrochen werden. Am Donnerstagvormittag brachte dann ein Polizeihubschrauber traurige Gewissheit: Er lokalisierte die Vermissten.
Taucher der Berufsfeuerwehr Wien bargen danach die drei Leichen aus dem Kanal. Tatortspezialisten sperrten den Bereich großräumig ab und sicherten Spuren. Eine Obduktion soll nun klären, wie die Männer genau ums Leben kamen.
Im Fokus steht derzeit eine Wehranlage. Dort dürfte sich das Unglück ereignet haben. Der Geschäftsführer der Betriebsgesellschaft Marchfeldkanal, Franz Steiner, sagt im "Heute"-Gespräch: "Wir wissen noch nicht, ob die Männer wirklich bei der Wehranlage ertrunken sind. Es gibt dort aber einen sogenannten Überfall, einen Sprung von einem Meter, wo eine regelrechte Wasserwalze entsteht."
Die Durchfahrt durch Wehranlagen ist verboten, denn dort können starke Unterströmungen, Wasserwalzen und unvorhersehbare Bewegungen entstehen. "Diese Walze in der Wehranlage ist lebensgefährlich, das ist wie ein Strudel, der einen einsaugt. Im System fließen 5.000 Liter in einer Sekunde durch. Da kommt man kaum wieder heraus", warnt der Geschäftsführer eindringlich. Selbst Boote oder Kajaks können erfasst und zum Kentern gebracht werden.
Steiner führt aber auch aus: "Die Wehranlage ist mit einem Seil und Hinweisschild offensichtlich abgesperrt. Man müsste schon mutwillig an dem Schild vorbei, um zur Wehranlage zu geraten."
Die Kripo geht derzeit von einem Unfall aus. Bei den Todesopfern soll es sich um einen 27-jährigen Österreicher, einen 28-jährigen Afghanen und einen weiteren Mann handeln – beide wohnhaft in Wien. Die Identität des dritten Mannes wird aktuell noch geklärt, auch er soll in Wien gelebt haben.