Die Vorwürfe sorgen seit Monaten für Entsetzen. Am Mittwoch steht in Salzburg ein 44-jähriger Mann vor Gericht, der Teil jener Drogenszene rund um den Hauptbahnhof gewesen sein soll, die zuletzt für Schlagzeilen sorgte.
Laut Anklage soll der Türke minderjährigen Mädchen Suchtgift unentgeltlich weitergegeben haben. Die Ermittler gehen davon aus, dass mehrere Männer Mädchen im Alter zwischen zwölf und 17 Jahren mit Drogen versorgt haben sollen. Im Mittelpunkt stand dabei laut Staatsanwaltschaft vor allem Kokain.
Den Vorwürfen zufolge sollen die Minderjährigen dafür mit den Männern in Wohnungen im Bereich des Hauptbahnhofs sowie in die Stadtteile Itzling und Parsch gegangen sein. Dort soll es auch zu sexuellen Handlungen gekommen sein. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Besonders brisant: Laut Schilderungen von Betroffenen sollen sich die mutmaßlichen Vorgänge über Jahre hinweg abgespielt haben, ohne dass sie auffielen.
Der nun angeklagte 44-Jährige soll Kontakt zu insgesamt zehn Mädchen gehabt haben. Der mehrfach vorbestrafte Mann muss sich vor Gericht wegen der unentgeltlichen Weitergabe von Suchtgift verantworten.
Die Ermittlungen zu möglichen sexuellen Übergriffen laufen allerdings weiter. Zwar hätten sich die Hinweise auf sexuellen Missbrauch seit November verdichtet, eine Anklage sei laut Ermittlerkreisen derzeit jedoch schwierig. Die Vorwürfe seien schwer nachzuweisen.
Die Behörden sind dabei auf Aussagen der Betroffenen angewiesen. Genau das stelle die Ermittlungen vor große Herausforderungen. Scham oder Angst würden viele Mädchen davon abhalten, bei Polizei oder Gericht auszusagen.
Die Causa beschäftigt seit Monaten zahlreiche Stellen - von der Polizei über die Landesregierung bis hin zur Kinder- und Jugendpsychiatrie. Die Ermittlungen gegen mögliche weitere Verdächtige aus dem Umfeld der Drogenszene am Salzburger Hauptbahnhof laufen weiterhin.