Belarus-Präsident Aleksandr Lukaschenko betont öffentlich, dass sein Land nicht in den Krieg hineingezogen werden will und setzt auf Frieden zwischen Russland und der Ukraine. Tatsächlich unterstützt Belarus Russland jedoch in erheblichem Ausmaß und gilt als enger Verbündeter des Kreml. Seit der umstrittenen Wahl 2020 ist Lukaschenko politisch und wirtschaftlich stark von Moskau abhängig.
Russische Truppen durften bereits zu Kriegsbeginn von belarussischem Gebiet aus die Ukraine angreifen. Erst kürzlich stationierte Russland sogar taktische Atomwaffen in Belarus. Die Ukraine betrachtet diese Entwicklung mit Sorge, hielt aber bisher inoffiziell Kontakt zu Minsk, um die Eröffnung einer zweiten Front zu vermeiden.
Die Situation hat sich zuletzt verschärft: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj forderte Belarus auf, sogenannte Signalverstärker an der Grenze abzubauen, die Russland für seine Drohnenangriffe nutzt. Andernfalls drohte Kiew mit eigenen Maßnahmen. Die belarussische Opposition warnt inzwischen öffentlich vor einem möglichen Kriegseintritt ihres Landes und verweist auf eine geänderte Verfassung sowie massiv gestiegene Militärausgaben.
Russlands Präsident Wladimir Putin setzt Lukaschenko laut internationalen Berichten zunehmend unter Druck, sich aktiv am Krieg zu beteiligen – entweder durch direkte Angriffe oder Sabotageakte. Für Russland wäre eine zweite Front im Norden der Ukraine strategisch vorteilhaft, da so ukrainische Truppen gebunden würden.
Der Westen versucht, Lukaschenko von einem Kriegseintritt abzuhalten. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron führte ein längeres Telefongespräch mit Lukaschenko, die USA sandten mehrfach Unterhändler nach Minsk und lockerten sogar Sanktionen auf wichtige Exportgüter wie Pottasche, um wirtschaftlichen Druck zu mindern.
Lukaschenko steht damit zwischen den Fronten: Moskau übt politischen und wirtschaftlichen Druck aus, doch das belarussische Militär ist mit rund 50.000 Soldaten vergleichsweise klein und schlecht ausgerüstet. Drohnen besitzt die Armee kaum.
Auch die Ukraine hat eigentlich kein Interesse an einem weiteren Kriegsschauplatz. Laut Experten will Präsident Selenskyj mit seinem Ultimatum vor allem Druck auf Minsk ausüben, um eine neue Front zu verhindern. Ein großflächiger Konflikt im Norden wäre auch für Kiew kaum zu stemmen.