Mit einer ungewöhnlichen Aussage sorgt der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko für Aufsehen. In einem Interview mit dem Sender Al Arabiya entschuldigte er sich bei dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj für frühere Aussagen.
"Wenn Wolodymyr Oleksandrowytsch durch diese Worte beleidigt wurde, entschuldige ich mich dafür", sagte Lukaschenko. Vielleicht hätte er diese Bemerkungen angesichts des Krieges nicht machen sollen. Zugleich betonte er, dass von Belarus keine militärischen Aktionen gegen die Ukraine zu erwarten seien.
Lukaschenko begründete dies allerdings weniger mit Friedenswillen als mit militärischen Überlegungen. Belarus sei verwundbar, falls die Ukraine das Land ähnlich angreifen würde wie russisches Territorium. Ukrainische Streitkräfte hätten nach seinen Angaben bereits hunderte potenzielle Angriffsziele in Belarus identifiziert.
Zudem verwies der Machthaber auf die lange Grenze zwischen Belarus und der Ukraine. Ein neuer Angriff auf Kyjiw von belarussischem Gebiet aus würde die Front um rund 1.500 Kilometer verlängern. "Angesichts des derzeitigen Kriegsverlaufs würden weder wir noch die Russen in der Lage sein, dieses Gebiet zu sichern."
Er rief sowohl Russland als auch die Ukraine zu Kompromissbereitschaft auf, um den Krieg zu beenden. Ein militärischer Sieg sei für beide Seiten unrealistisch, sagte der enge Verbündete Putins.
Viele internationale Medien griffen vor allem die Entschuldigung auf und zeichneten damit das Bild eines versöhnlichen Lukaschenkos. Weniger Beachtung fanden jedoch andere Aussagen des Diktators im selben Interview.
So behauptete Lukaschenko, der Vatikan und eine angebliche "jüdische Lobby" hätten den russischen Präsidenten Wladimir Putin 2022 dazu bewegt, seine Truppen aus dem Raum Kyjiw abzuziehen. Ohne diesen Schritt – so seine Darstellung – gäbe es heute weder Selenskyj noch die Ukraine.
Danach folgten weitere bekannte Vorwürfe gegen die Ukraine. Lukaschenko lobte die russische Armee und beschuldigte Kyjiw, mit Drohnen zivile und kulturelle Einrichtungen anzugreifen. Kritiker verweisen hingegen darauf, dass Russland seit Beginn des Krieges zahlreiche ukrainische Städte, Kirchen und historische Gebäude beschädigt oder zerstört hat. Von zahlreichen Gemeinden sind nur zerbombte noch Ruinen übrig.
Die Entschuldigung sorgte zwar für Schlagzeilen – die übrigen Aussagen zeigten jedoch, dass Lukaschenko seine Nähe zum Kreml weiterhin nicht aufgibt.